Die Passkontrolle der Zukunft

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Den ePass auf die Lesefläche eines Scanners legen, der in nur fünf Sekunden alle relevanten Daten liest, und schon soll sich die Schranke öffnen: So sieht die Passkontrolle der Zukunft aus.

Frankfurt - Um in Deutschland einreisen zu dürfen, sollen schon bald ein Handgriff und ein Blick in eine Kamera genügen. Seit Freitag können Reisende ihre Pässe am Frankfurter Flughafen von einem Automaten kontrollieren lassen - die Maschine übernimmt die Arbeit der Grenzbeamten und soll damit die Warteschlangen verkürzen. Von Heiko Lossie (dpa)

Das System soll, wenn es sich bewährt, zügig bundesweit eingeführt werden. Möglich wird die neue Identitätskontrolle, weil Computer mit den sensiblen persönlichen Daten gefüttert werden. Vollautomatisch wird sogar der Name jedes Fluggastes mit dem Fahndungsregister abgeglichen - das gab es noch nie. Die Behörden beruhigen: Alles sei sicher, und die Daten würden auch sofort wieder gelöscht.

Voraussetzung für das Nutzen des neuen Systems ist ein Reisepass, der bereits über einen Speicherchip für biometrische Daten wie den Fingerabdruck verfügt. Alle in der EU jüngst ausgestellten Pässe haben diesen Biometrie-Speicher. In Deutschland ist schon rund jeder dritte Reisepass ein sogenannter ePass - bis 2015 soll jeder Bürger einen besitzen. An dem neuen Kontrollautomaten halten die Fluggäste ihren aufgeschlagenen Reisepass auf eine Lesefläche. Der Scanner liest dann in nur fünf Sekunden Passnummer, Namen, Geburtstag und Länderkennzeichen aus - und gleicht sie mit laufenden Fahndungen ab.

Gang durch automatische Schleuse dauert keine 15 Sekunden

Ist alles okay, öffnet sich eine erste Schranke, und der Reisende tritt vor eine Kamera. Die fotografiert sein Gesicht und gleicht es mit dem Bild ab, das vorher aus dem Pass herausgelesen wurde. So ist sicher, dass Pass und Fluggast auch tatsächlich übereinstimmen.

Ein großer Gewinner mit diesem Projekt ist unsere innere Sicherheit. Denn die Verwendung falscher Pässe spielt gerade bei der organisierten Kriminalität, etwa dem Drogenhandel, eine ganz wichtige Rolle“, sagte der Staatssekretär des Bundesinnenministeriums, August Hanning, beim Start der neuen Maschine. Profiteure seien aber auch die Reisenden, weil sich die Grenzabfertigung beschleunige. Der Gang durch die automatische Schleuse dauert weniger als 15 Sekunden. Außerdem profitiere die Polizei. Zwar überwachen immer noch einige Beamten den Strom der Fluggäste an dem Automaten - aber bei den herkömmlichen Kontrollen per Hand sind mehr Polizisten nötig. „Das Personal, das wir bei dieser Routineaufgabe einsparen können, setzen wir an anderen Stellen verstärkt ein. Etwa für mehr Streifen auf dem Flughafen“, sagte der Vizepräsident der Bundespolizei, Ralf Göbel.

System soll nach Erprobung möglichst schnell flächendeckend aufgestellt werden

Gesetze erlauben die automatisierte Einreisekontrolle und auch den Abgleich mit der Fahndungsliste. Die Bundespolizei hat keine Daten darüber, wie oft die Beamten bisher über die Durchsicht des Passes hinaus Abfragen starteten. Doch eines ist klar: Beim Großteil der Reisenden wurde lediglich der Pass in Augenschein genommen, und der Polizist guckte nur, ob das Gesicht des Reisenden dem Passfoto ähnelte. „Manche Dinge kann der Computer einfach besser“, sagte Hanning. Sorgen um seine Daten müsse sich niemand machen. Der Abgleich geschehe online mit einem Datensatz, der zentral im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hinterlegt sei und so nicht in falsche Hände geraten könne. Direkt nach der Einreise würden die Daten an der Schleuse wieder gelöscht.

Bundespolizei-Vize Göbel berichtete, das System solle nach seiner Erprobung möglichst schnell flächendeckend aufgestellt werden und die konventionelle Kontrolle ersetzen. Bernd Kowalski, beim BSI zuständig für Neue Technologien, sagte: „Zunächst einmal ist vorgesehen, das System für Großraumflugzeuge zu benutzen, bei denen es auf eine schnelle Abfertigung ankommt.“ Der Testlauf mit dem Prototypen in Frankfurt laufe bis März. Dann soll München folgen. Über die Kosten wollten die Beteiligten nichts sagen - das unterliege noch dem „Projektschutz“. Aber es sei sehr teuer, versicherten sie.

Quelle: op-online.de

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