Klinikum Offenbach spart

Kommentar: Patienten verschonen

Einschränkungen in der medizinischen Versorgung, noch weniger Zeit der Ärzte und Pflegekräfte - das alles sollte vermieden werden, wenn es am Klinikum Offenbach jetzt um „Prozessoptimierung“ geht und alle „medizinischen und pflegerischen Einheiten auf ihre wirtschaftlichen und qualitativen Gesichtspunkte“ hin überprüft werden. Von Peter Schulte-Holtey

Auch wenn es angesichts des Krankenhaus-Neubaus mit sage und schreibe 7900 erfassten Mängeln und der eklatanten Finanzmisere an allen Ecken im Klinikum brennt, darf es einen Sparkurs auf dem Rücken der Patienten nicht geben.

Dass in der Klinikorganisation vieles besser gemacht werden könnte, steht seit langem fest. Lobenswert, dass von der Klinikleitung nun mit großer Offenheit eklatante Mängel bei der Krankenversorgung eingeräumt werden. So ist von „erheblichen organisatorischen und kommunikativen Reibungsverlusten bei der Betreuung von ambulanten Patienten“ die Rede, von zu langen Wartezeiten, von einer verbesserungsbedürftigen Sprechstundenorganisation. Zur Zentrale Notaufnahme heißt es: „16 Betten sind mangels Pflegepersonals noch nicht nutzbar, die steigende Zahl von Patienten muss häufig zu lange auf ärztliche Betreuung warten und vieles mehr.“

Wie groß der Druck aufs Führungspersonal inzwischen ist, zeigt auch das Drohpotenzial, mit dem die 18 Abteilungen mit ihren unterschiedlichen Interessen diszipliniert werden sollen. So könnte es am Ende durchaus sein, wird verkündet, „dass einige Abteilungen im pflegerischen und im ärztlichen Bereich personell unter- oder überbesetzt sind, so dass eine sinnvolle Umverteilung zur Verbesserung und Entlastung aller beitragen kann“. Mit anderen Worten: Die Chefärzte müssen sich warm anziehen, sollten sich darauf vorbereiten, dass sie in ihren Bereichen „umstrukturieren“ müssen.

Mehr denn je ist jetzt geschicktes Krisenmanagement gefragt. Hinzutreten muss bei den Verantwortlichen die Überzeugung, dass die Diagnose und das Operieren - aber auch die Pflege zu den Kernaufgaben des Hauses zählen; insbesondere im dritten Bereich braucht das Klinikum mehr Anstrengungen, keine neuen Sparappelle.

Quelle: op-online.de

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