„Patientenrechnung unmöglich“

Offenbach ‐ Gesetzlich Krankenversicherte sollten nach Ansicht von Kassenärztechef Andreas Köhler besser über die Behandlungskosten aufgeklärt werden. Dazu sollten Ärzte öfter Patientenquittungen ausstellen, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

„Die Quittung schafft ein Kostenbewusstsein beim Patienten.“ Diese würden so besser erkennen, wie preisgünstig die ambulante Versorgung in der haus- oder fachärztlichen Praxis etwa im Vergleich zum Restaurantbesuch sei. Mit Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen, sprach unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey.

Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach

Sie bezeichnen Überlegungen als kurios, unter den gegenwärtigen Abrechnungsbedingungen im neuen Patientenrechtegesetz festzulegen, dass Vertragsärzte künftig automatisch eine Quittung über ihre Leistungen schreiben sollen. Andererseits ruft der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, dazu auf, gesetzlich Krankenversicherte besser über die Behandlungskosten aufzuklären. Gibt es einen Dissens mit der Kassenärztlichen Vereinigung?

Grundsätzlich begrüße ich die Idee, mit Hilfe von Patientenrechnungen für mehr Transparenz im Gesundheitswesen zu sorgen. Es gibt in dieser Sichtweise daher auch keinerlei Dissens zu der KBV. Sinn macht eine Patientenrechnung allerdings nur, wenn darin Leistung und Gegenleistung nachvollziehbar gegenübergestellt werden können.

Dies ist allerdings unter den gegenwärtigen Abrechnungsbedingungen nicht der Fall. In einem Punktesystem, bei dem erst am Ende eines Quartals die endgültige Bewertung in einer Geldwährung feststeht, ist es schier unmöglich, nach jedem Patientenkontakt eine Leistungsabrechnung in Euro und Cent auszustellen. Wir Ärztinnen und Ärzte wollen uns der politischen Forderung nach Patientenrechnungen nicht verweigern, lässt eine kurzfristige Umsetzung doch die Absurdität des aktuellen Abrechnungssystems deutlich werden.

Fordern Sie die generelle Einführung der Kostenerstattung, bei der alle abrechnen wie Privatpatienten?

Ja, aber mit sozialer Abfederung. Es ist für alle Beteiligten wichtig, zeitnah Einblick in ärztliche Leistungen und dadurch verursachte Kosten zu bekommen. Dies kann auch zu einer besseren Wertschätzung von ärztlicher Versorgung führen.

Bislang lassen sich nur zwei Prozent der Patienten eine Quittung ausstellen. Wie kann die Quote gesteigert werden?

Da Leistungen in dem gegenwärtigen System pauschal vergütet werden, ist die Beziehung zwischen Leistung und Honorar für die meisten Patienten nicht ersichtlich. Solange sie noch keine Auswirkungen einer Patientenquittung erkennen können, wird diese auch nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Quelle: op-online.de

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