Forschung weiter vorantreiben

„Perfekten Mord gibt es nicht“

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Auch der tote Körper birgt manchmal ein Geheimnis. Unter Umständen können die Experten der Rechtsmedizin es ihm entreißen.

Frankfurt - Bereits kurz nach dem Tod kommen die Fliegen und legen ihre Eier auf der Leiche ab. Das spätere Abkratzen dieser Maden kann durchaus einen komplizierten Mordfall aufklären – nur ein Kerngebiet für den neuen Direktor der Rechtsmedizin am Frankfurter Uniklinikum, Professor Marcel A. Verhoff. Von Sabrina Kristen

Seit dem 1. Oktober ist Marcel Verhoff der neue Leiter der Frankfurter Rechtsmedizin. „Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass weniger Tötungsdelikte unentdeckt bleiben und deshalb das Leistungsspektrum des Instituts weiter ausbauen“, sagt der 43-Jährige.

Gerade im Bereich der forensischen Entomologie – Insekten auf Leichen – gilt das Frankfurter Institut bereits schon jetzt als tonangebend in Europa. Des Weiteren will Verhoff es als führendes Forschungszentrum für die Schätzung der Todeszeit, des sogenannten postmortalen Intervalls, etablieren. Abhängig davon, wie lange der Todeszeitpunkt zurückliegt, kommen hierbei ganz unterschiedliche Analysemethoden zum Einsatz.

Professor Verhoff.

Neue Ansätze zur Temperaturmessung und zur Untersuchung der Augenhöhle will Verhoff weiterentwickeln. Außerdem soll die forensische Insektenkunde um ökologische Methoden der Tatort- und Bodenanalyse ergänzt werden. Aber nicht nur der Todeszeitpunkt und der Tathergang spielen eine tragende Rolle. Schließlich soll auch der Täter gefunden werden, wie jeder „Krimi“-Fan weiß. Dazu will Verhoff den Bereich der forensischen DNA ausbauen. Eine einzelne Zelle, die der Mörder an Oberflächen wie einem Lichtschalter hinterlässt, kann schon entscheidend bei der Aufklärung helfen. „Den perfekten Mord gibt es einfach nicht, denn die Rechtsmedizin kann fast alles herausfinden – aber natürlich gehört oftmals auch etwas Glück dazu“, findet der Rechtsmediziner. So sei eine intensive Schulung aller angehenden Mediziner, Juristen, Biologen enorm wichtig, um in allen Bereichen zur Aufklärung besser beizutragen. „Die Leichenschau wird manchmal nicht ordentlich durchgeführt“, erklärt Verhoff. „Da gibt es oft einen gewissen Druck, weil die Hausärzte die Familien sehr gut kennen.“

Auch der finanzielle Aspekt spielt in der Untersuchung von Mordfällen eine tragende Rolle. So wären, laut Verhoff, rund eine Million Euro jährlich von der hessischen Landesregierung für die Frankfurter Rechtsmedizin von Nöten. Momentan beschäftigt der Fachbereich zehn Ärzte. Aber um die täglichen Anforderungen besser erfüllen zu können, wären fünf weitere Stellen notwendig. „Serien wie CSI oder Bones – Die Knochenjägerin sind zwar gut recherchiert, aber in der Realität braucht man für die Lösung doch mehr als nur ein paar Minuten“, so der Rechtsmediziner.

Quelle: op-online.de

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