Feldmann siegt in 36 Stadtteilen

Frankfurt - 1315 Stimmen: An diese Zahl wird der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) vermutlich noch länger denken müssen, steht sie doch für die erste große Niederlage in seiner politischen Karriere. Von Christian Riethmüller

Dabei hat Rhein diese Stimmen beim zweiten Wahlgang ums Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters nicht verloren, sondern hinzugewonnen. Doch diese Ausbeute ist angesichts des Stimmenzuwachses, den der Wahlsieger Peter Feldmann (SPD) verzeichnen konnte, fast schon beschämend gering. 35.489 Wählerstimmen konnte der Sozialdemokrat im Vergleich zum ersten Wahlgang hinzugewinnen, als noch 56.743 Frankfurter für ihn stimmten. Bei der Stichwahl waren es nun 92.232 Wähler, die dem künftigen Oberbürgermeister einen Stimmenanteil von 57,4 Prozent bescherten. Im Vergleich: Für Boris Rhein stimmten im ersten Wahlgang 67.254 Wähler und bei der Stichwahl schließlich 68 569 Wähler (Stimmenanteil: 42,6 Prozent). Die ungültigen Stimmen hätten bei dieser Wahl übrigens keine Rolle gespielt. 2275 Wähler hatten auf ihren Zetteln keine Entscheidung für einen der beiden Kandidaten getroffen, „eine vernachlässigbare Zahl“, wie Stadtrat Volker Stein (FDP) gestern bei der Vorstellung der Wahlanalyse sagte.

Feldmann hat in allen Stadtquartieren gepunktet

Wie die fleißigen Statistiker des Frankfurter Bürgeramts einmal mehr in einer langen Nachtsitzung zusammengetragen, ausgewertet und gestern Vormittag dann vorgestellt haben, dürfte es Peter Feldmann gelungen sein, eine große Zahl jener Wähler für sich zu gewinnen, die bei der Hauptwahl noch für einen anderen Kandidaten, etwa von den Grünen, den Piraten oder den Flughafenausbaugegnern (FAG), gestimmt hatten. Wie Volker Stein ausführte, habe Feldmann in der Stichwahl in allen Stadtquartieren punkten können. Vor allem in Bezirken, in denen die Grünen stark sind, etwa im Nordend oder in Bockenheim, schnitt er gut ab. Aber auch im CDU-„Stammland“ - darunter den vom Fluglärm besonders belasteten südlichen Stadtteilen Sachsenhausen, Ober- und Niederrad - bekam Feldmann oft über 60 Prozent der Stimmen. Auch in den Stadtteilen mit besonders vielen Sozialwohnungen bekam der neue SPD-OB viele Stimmen, was Stein mit den Gerüchten um einen möglichen Verkauf der Nassauischen Heimstätte in Verbindung brachte. Dieses Thema hatte Feldmann für sich nutzen können.

Rhein hingegen schaffte nur in den CDU-Hochburgen wie Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach, Harheim oder Westend-Süd die Mehrheit, insgesamt in acht von 44 Stadtteilen, während Feldmann in 36 gewann. Die Wahlbeteiligung betrug diesmal 35,1 Prozent.

Quelle: op-online.de

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