Strothoff-Schule etc.

Kommentar: Peter Walters Nachbeben

Es gibt Bilder, die sagen mehr als tausend Worte. Zum Beispiel dieses: Auf die Frage einer Journalistin, ob er das Gefühl habe, dass Ex-Landrat Peter Walter mithelfen wolle, die Unstimmigkeiten in Sachen Strothoff-Schule aufzuklären, schweigt Oliver Quilling für einige Sekunden. Von Michael Eschenauer

Dann hebt er die Schultern und quetscht mühevoll den Satz heraus: „Ich gehe eigentlich schon davon aus.“ Der Mann ist nicht nur bei dem Streit über die Miete für die Internationale Schule alleine, ähnliches gilt wohl auch für seine Klärungsbemühungen bei den Zahlungen des Kreises an Rechtsanwälte im Umfeld des Ausbaues am Egelsbacher Flugplatz. Jetzt hilft immerhin der Staatsanwalt mit.

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In Sachen Strothoff-Schule steht Aussage gegen Aussage. Doch eines wird immer klarer: Hier sind Entscheidungen ohne Beteiligung der politischen Gremien getroffen worden, hier entwickelten zwölf Jahre Landratspopularität, Charisma, Macher-Mythos und womöglich Torschlusspanik vor Ende der Amtszeit eine undemokratische Eigendynamik. Der Hauptakteur ist abgetaucht.

Quilling, der nun den Laden aufräumen muss, hat in den zurückliegenden Tagen vom Amtsvorgänger wenig Beistand und Aufklärung erfahren. Zwei Telefongespräche sollen stattgefunden haben - mit offenbar wenig erhellenden Informationen. Es gibt weder Indizien, dass sich dies ändern könnte, noch große Hoffnung, das Strothoff ein bequemer Verhandlungspartner sein wird. Könnte der tatsächlich Belege vorlegen, in denen ihm Walter drei Jahre Mietfreiheit für seine Schule zugebilligt hat - die Verhältnisse würden tanzen.

Offenheit nötigt selbst politischem Gegner Respekt ab

Die sich trotz unbestrittener Verdienste nun abzeichnende Götterdämmerung um Walter, der eine extrem lange Leine in der Kreisverwaltung genossen haben muss, birgt für Landrat Quilling allerdings nicht nur Belastungen, sondern eröffnet ihm auch Chancen. Deutlich geworden ist dies bei der Debatte im Kreistag: Der Respekt vor der Bereitschaft des „Neuen“, die Erbschaften seines Vorgängers rückhaltlos aufzuzuklären, und die Offenheit, die der CDU-Mann im Umgang mit den Problemen an den Tag legt, nötigen selbst dem politischen Gegner Respekt ab.

Die AG Wohlfahrt hat er gleich nach Amtsantritt gekündigt, bei den verlustträchtigen Beteiligungen des Kreises scheint er zu sagen, was er weiß, und drängt auf Verkauf. Jetzt kommen die anderen Ecken dran. Quilling blockt nicht, er unterstützt - wie jetzt geschehen - auch Prüfungsanträge der Freien Wähler, eines politischen Gegners.

Er sehe den ganzen Ärger „sportlich“, sagt der neue Landrat. Schafft er es in seiner Amtszeit, Dinge voranzutreiben und gleichzeitig die politische Szenerie transparent zu halten, er wäre ein Anwärter fürs Treppchen. Walter dagegen war ein Macher, ein Anleierer. Die jüngsten Entwicklungen scheinen die Auffassung zu bestätigen, dass dies am Ende nicht genügt.

Quelle: op-online.de

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