Pflege-Auszeit oft unbekannt

Offenbach ‐ Wenn Angehörige, die selbst im Beruf stehen, einen Pflegefall in der Familie zu organisieren haben, bietet das Pflegezeitgesetz Hilfe an. Details sind aber oft nicht bekannt und kompliziert.

Auskünfte geben die Pflegestützpunkte (in Offenbach Tel. 069/8065-2453) und die Pflegekassen. Grundsätzlich informiert auch die Verbraucherzentrale Hessen. Mit Dr. Wilfried Boroch von der AOK Hessen sprach unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey.

Haben Sie den Eindruck, dass die Details so kompliziert sind, dass sich Betroffene stets fachkundigen Rat einholen sollten?

Wir empfehlen das, denn es gibt doch sehr viele unterschiedliche Fallkonstellationen. An Nachfragen bei uns mangelt es nicht. Dabei geht es vor allem um die finanzielle Absicherung. Das Gesetz sieht hierzu nichts vor, man muss unbezahlten Urlaub nehmen. Teilweise beobachten wir eine andere Erwartungshaltung bei den Bürgern zu diesem Punkt.

An welche Institutionen können sich Betroffene wenden?

Zwei Anlaufstellen bieten sich an. Zum einen die Pflegekasse des Pflegebedürftigen. Dort stellt man auch entsprechende Anträge. Oder man wendet sich an einen Pflegestützpunkt in seiner Nähe, wenn es um eine allgemeine Erstberatung geht.

Was steht Arbeitnehmern bei akut auftretenden Pflegesituationen zu, was können sie vom Arbeitgeber einfordern?

Der Beschäftigte wird frei gestellt, bis zu zehn Tage, wenn es sich um eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung handelt. Dem Arbeitgeber ist auf Verlangen eine ärztliche Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen vorzulegen. Das kann alles recht kurzfristig geschehen, meistens kommt eine solche Situation für alle Beteiligten recht überraschend.

Kann dies jeder Angehörige?

Jeder nahe Verwandte kann einen Antrag stellen, somit Kinder, Enkel und Geschwister von Pflegepersonen, aber auch Lebenspartner und Schwiegerkinder. Insgesamt kann die Pflegezeit für bis zu sechs Monate pro Person beantragt werden. Diese Pflegezeit lässt sich auch splitten.

Während der Zeit der Freistellung muss der Arbeitgeber den Lohn ja nicht weiterbezahlen. Gibt es Fälle, in denen die Pflegeversicherung die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt?

Ja, und zwar dann, wenn eine kostenfreie Familienversicherung in der Krankenversicherung nicht möglich ist. Dann beginnt eine freiwillige Weiterversicherung. Die Beiträge übernimmt die jeweilige Pflegekasse komplett, zumindest im Regelfall. Auch in der Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung entstehen keine Lücken. Analog zur Krankenversicherung gibt es in diesen Zweigen für die meisten Antragsteller keine Beitragsbelastung. Details sollten in einem Beratungsgespräch geklärt werden.

Quelle: op-online.de

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