Blamable Lage

Kommentar: Pflege überfordert oft Angehörige

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Peter Schulte-Holtey

Es ist ein Job rund um die Uhr - in der größten Pflegeeinrichtung der Republik, in der Familie. Auch in Hessen werden tausende pflegebedürftige Menschen daheim von Angehörigen betreut. Von Peter Schulte-Holtey

Sie leisten Großartiges: mutig und tapfer und in gelebter Solidarität. Mit einer Pflegemedaille, wie sie Sozialminister Stefan Grüttner jetzt 23 Frauen und Männern („Geehrte sind Vorbilder“) verliehen hat, kann zumindest ansatzweise auf diese selbstlose Arbeit aufmerksam gemacht werden.

Manchmal müssen Angehörige ja von heute auf morgen Dinge leisten, die sie nie gelernt haben und auf die sie kaum vorbereitet waren. Besonders problematisch ist die Situation bei Demenzkranken. Die Betreuung kostet oftmals Nerven. Zu der Unsicherheit, medizinisch alles richtig zu machen, kommen körperliche und seelische Belastungen, die auf Dauer jeden überfordern. Professionelle Betreuer, ehrenamtliche Helfer und die Unterstützung durch Pflegedienste sorgen für Entlastung. Und jede Kommune hat Sozialstellen, die weiter helfen. Auch bei den Pflegekassen kann man sich beraten lassen. Es gibt aber leider immer noch Angehörige, die Probleme damit haben, eine solche Hilfe anzunehmen. Sie wollen es alleine schaffen - überfordern sich, mit dramatischen Folgen.

Sozialpolitiker haben die Bedeutung des Themas für unsere Gesellschaft endlich erkannt. Verbesserungen im Bereich der häuslichen Pflege sollen Angehörige ab 2015 entlasten. Sie können künftig unter anderem in Stresssituationen unbürokratischer ambulante Dienste in Anspruch nehmen. Doch das sollte nur der Startschuss sein, weitere Reformen müssen folgen. Denn nach wie vor sind Pflege und Beruf schwer miteinander in Einklang zu bringen. Von einer angemessenen Anerkennung des Einsatzes pflegender Angehöriger sind wir noch weit entfernt. Eine blamable Lage.

Das ändert sich durch die Pflegereform

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Quelle: op-online.de

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