Prozess um erfundene Vergewaltigung

Plädoyer für ein Opfer

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Darmstadt - Das Medieninteresse hat spürbar nachgelassen, die Wahrheitsfindung geht unvermindert weiter. Auch am 14. Verhandlungstag im Prozess gegen Heidi K. werden vor dem Darmstädter Landgericht weitereZeugen befragt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Vier Personen sollen diesmal Licht in die Vergewaltigungsgeschichte bringen, eine Tat, die wohl nie statt gefunden hat und den damals 43-jährigen Lehrer Horst A. für fünf Jahre hinter Gitter brachte. A, der stets seine Unschuld beteuerte, wurde 2011 in einem Wiederaufnahmeverfahren frei gesprochen.

Zu Recht, wie sein ehemaliger Mentor aus Wald-Michelbach, der pensionierte Studiendirektor Karl-Heinz T. gestern vor der 15. Strafkammer behauptete. Die Rehabilitierung durch das Land Hessen sei allerdings ausgeblieben, vergeblich habe sich A. bemüht, eine neue Anstellung als Lehrer zu bekommen. Er musste bis zu seinem Tod 2012 von Hartz IV leben. „In dieser Zeit habe ich oft Angst gehabt, dass er sich das Leben nimmt.“, so T., „Er war aufgedunsen, rauchte viel, nahm Psychopharmaka.

Einzig sein Alkoholproblem gehörte mit dem Tag der Verhaftung der Vergangenheit an.“ In der Entziehungsanstalt Haddamar sei er gezwungen worden, einen Opferbrief zu schreiben, „Das war für ihn die reine Folter! Er war ja das Opfer, nicht diese Kollegin!“, so der 78-jährige. Er besuchte A. im Gefängnis, hielt nach seiner Entlassung 2006 neben der Familie als einzige Vertrauensperson regelmäßig Kontakt. Auf langen Spaziergängen klagte A. sein Leid.

Keine auffälligen Verletzungen

Verteidiger Torsten Rock will wissen, ob da denn thematisiert wurde, warum seine Mandantin A. zu Unrecht hätte beschuldigen sollen. Darauf weiß der redegewandte Zeuge keine Antwort, von A.s Unschuld ist er trotzdem felsenfest überzeugt. Seine Aussage hat denn auch mehr den Charakter eines Plädoyers als die eines normalen Frage-Antwort-Verhörs.

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Irritierende Behauptungen

Die Gynäkologin Erika O. aus Michelstadt wird zum ersten Mal vernommen, obwohl sie einer der ersten Ärztinnen war, der sich Heidi K. eine Woche nach der angeblichen Vergewaltigung am 28. August 2001 anvertraute. O.: „Die Patientin war das erste Mal bei mir. Ich habe die Untersuchung durchgeführt, die ich bei Gewaltopfern routinemäßig anwende. Außer abklingenden blauen Flecken an den Schenkelinnenseiten konnte ich keine weiteren Auffälligkeiten, wie im Anal- oder Vaginalbereich, feststellen.“ Ein puppenhaftes Gesicht sei ihr in Erinnerung geblieben, K. sei seelisch „down“ gewesen. „Ich habe ihr ein Beruhigungsmittel verschrieben.“, so die Zeugin. Bis Ende August sind weitere vier Termine geplant.

Quelle: op-online.de

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