Pläne für die Altstadt

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Das Modell zeigt den Gewinner-Entwurf für die Überbauung des Archäologischen Gartens in der Frankfurter Innenstadt zwischen Dom und Römerberg.

Frankfurt ‐ Szenenapplaus aus dem Publikum: Der Frankfurter Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) hatte soeben für eine Überraschung gesorgt. Von Michael Hörskens

Ganz nebenbei erwähnte er bei der jüngsten Sitzung des Dom-Römer-Ausschusses, dass auch das „Haus Rebstock“ rekonstruiert werde. „Die künftige Zufahrt zur Tiefgarage beim ehemaligen Technischen Rathaus kann nämlich schon vor dem Haus am Dom realisiert werden“, teilte Schwarz mit. Damit wurde ein Problem letztendlich gelöst. Gerüchte besagen gar, dass am vergangenen Wochenende ein Investor für das historische Gebäude gefunden wurde. Für viele Frankfurter ist der „Rebstock“ eines der Schmuckstückchen der im Krieg zerstörten Altstadt gewesen.

Zuvörderst ging es in der Ausschusssitzung aber um das geplante „Stadthaus“ am Archäologischen Garten und den Architektenwettbewerb zu diesem Projekt. Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der hessischen Architektenkammer, erläuterte, dass der Wettbewerb nach EU-Richtlinien stattfinden musste und daher anonym gelaufen sei. Vorgabe war, einen Ort der Begegnung für Bürger und Gäste der Stadt zu schaffen. 104 Büros hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, 30 kamen in die engere Auswahl und vier Preise wurden am Ende vergeben. Sieger wurde das Berliner Büro Prof. Winking Architekten, welches in seinem Entwurf eine viergeschossige Überbauung des Archäologischen Gartens auf dem Grundriss der einstigen karolingischen Königshalle vorsieht. Über ein Foyer kann hier die Aula Regia eingesehen werden.

Siegerentwurf offenbart Unzulänglichkeiten

Doch fand der Siegerentwurf mit seinen 4000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche nicht überall Beifall und offenbarte dazu einige Unzulänglichkeiten. „Das Ding sieht aus wie ein Getreidesilo“, urteilte etwa eine Frankfurterin. Auch im Ausschuss regte sich Kritik. So wurde moniert, dass die Traufhöhe des geplanten Stadthauses die der „Goldenen Waage“ überschreitet, die genau nebenan rekonstruiert wird und das historische Gebäude durch die wuchtigen Dimensionen zudeckt. Daneben lassen der recht klein entworfene Eingangsbereich oder die Belichtung des Gebäudes Wünsche offen.

Ettinger-Brinckmann betonte, dass der Siegerentwurf lediglich eine Empfehlung an die Stadt sei, das Vergabeverfahren sei mit der Auszeichnung noch nicht abgeschlossen. „Wegen des neuen Vergaberechts müssen im Sinne der Wettbewerbsgleichheit alle vier Preisträger im Rennen bleiben“, erklärte Ettinger-Brinckmann. Diese Architektenbüros, deren Entwürfe zum Teil bis zu 6000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vorsehen, sollen die Möglichkeit zur Überarbeitung ihrer Konzepte erhalten. Alle vier, davon zwei aus Frankfurt, haben den Vorgaben entsprechend auch einen Saal für Feierlichkeiten, Empfänge, Vorträge oder Ausstellungen eingeplant. „Dies war eine Anregung des Hauptamtes“, teilte Edwin Schwarz mit. Für manche Veranstaltungen seien der Kaisersaal im Römer zu groß, der Limpurgsaal dort zu klein. Daraufhin warf Elke Sautner, planungspolitische Sprecherin der SPD ein, dass es im benachbarten Haus am Dom bereits ein Veranstaltungssaal existiere, den man nutzen könnte. Der reiche aber nicht für die vielfältigen Anforderungen nicht aus, lautete ein Gegenargument.

Highlight der deutschen Architekturgeschichte

Ein kleines Plädoyer für das neue Stadthaus sowie den gesamten Neubau des Dom-Römer-Areals kam von Jochen Heumann (CDU): „Dieses Projekt kann ein Highlight der deutschen Architekturgeschichte werden“, sagte er. Er betonte die Bedeutung der historischen Stätte: „Wir haben vor tausend Jahren eine tolle große Pfalz hier in Frankfurt gehabt. Hier wurde europäische Geschichte geschrieben, hier hat Karl der Große quasi die erste europäische Währung eingeführt.“ So wurde denn auch auf der Ausschusssitzung über die weitere Bebauung des Areals diskutiert, speziell die Rekonstruktion einiger Gebäude am Krönungsweg bot Zündstoff. Hier meldeten sich auch einige Bürger zu Wort. Dabei wurde gefordert, bei der Rekonstruktion nicht auf das Belvederchen, einst ein besonderes Merkmal der Goldenen Waage, zu verzichten. Auch über den Wiederaufbau des Roten Hauses wurde debattiert. Hier gab es im Publikum eine einhellige Meinung: Die Rekonstruktion funktioniere nicht ohne die Nachbargebäude. „Und wegen des Anbaus am Roten Haus ist der Abriss des Tisches der Schirn unvermeidbar“, meinte Jürgen Aha vom Verein Pro Altstadt.

Eher humorlos urteilte Christoph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates des Altstadt-Projektes: „Wir wollen hier kein Klein-Kleckersdorf, kein romantisierendes Etwas“, sagte der Architekt. Man wolle sich nicht lächerlich machen. Er empfiehlt, ein Wohngebiet auf der Basis einer Gestaltungssatzung zu errichten. So mancher im Saal befürchtete hier freilich eine zeitgenössische Architektur im Stile des Technischen Rathauses, das nun aber gerade abgerissen werde.

Quelle: op-online.de

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