Flughafen Frankfurt

Flugzeugliebhaber auf Bilderjagd

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Die Planespotter Lucie Buben und Andreas Kügler aus Hof stehen am Flughafen Frankfurt mit ihren Kameras auf einem Erdhügel.

Frankfurt - Ein außergewöhnlicher Tag für Flugzeugliebhaber. Sogenannte Planespotter durften am Flughafen Frankfurt etwas ganz außergewöhnliches erleben.

„So, jetzt geht's los!“ Lucie Buben steht mit ihrer Spiegelreflex-Kamera bereit. Der gewaltige A 380 nimmt Fahrt auf, er wird immer schneller und hebt vor der Skyline der Bankenstadt in den Himmel ab. Klick, klick, klick, wieder ein paar gute Schüsse, die 30-jährige aus Franken und ihr Freund Andreas sind begeistert. Die beiden haben ihren Lebenszweck darin gefunden, möglichst viele Flugzeuge zu fotografieren.

Eine Boeing 747-400F der Cathay Pacific Cargo landet auf dem Flughafen Frankfurt.

Lucie und Andreas sind sogenannte Planespotter (abgeleitet von den englischen Wörtern für Flugzeug und beobachten/auskundschaften). Sie verbringen ihre ganze Freizeit damit, Flugzeuge ins Visier zu nehmen und den Auslöser zu drücken. Und sie sind sehr fleißig mit dabei. „Bei uns dreht sich mittlerweile unser ganzes Leben darum“, sagt Lucie und hält die Kamera bereit für die nächste Landung.

Ein außergewöhnlicher Platz

Eigentlich ist das Paar ohnehin mindestens zweimal im Monat am Frankfurter Flughafen, um von einschlägigen „Spotter-Plätzen“ wie dem Luftbrückendenkmal in Zeppelinheim auf die Objekte ihrer Begierde zu warten. Heute ist allerdings ein ganz besonderer Tag: Mit einer Gruppe anderer Fotografen dürfen die beiden von einem rund 30 Meter hohen Schutthügel aus ihre Aufnahmen machen. Von dem Baustellenberg, an dessen Stelle in ein paar Jahren der neue Terminal 3 eröffnet werden soll, tummeln sich knapp 20 Hobbyfotografen, um die donnernden Airbusse, Boeings und Tupolews beim Landeanflug vor der Frankfurter Skyline zu erwischen.

Die Tour „Spotter-Spezial“ ist Teil der Aktion Expedition Flughafen des Flughafen-Betreibers Fraport und des privaten Radiosenders Hitradio FFH (Bad Vilbel). Zwei Wochen lang dürfen luftfahrtbegeisterte Leute hinter die Kulissen des größten deutschen Flughafens blicken, die Aktion läuft noch bis Samstag (18.8.).

„Das war jetzt geil“, schwärmt Lucie Buben. „Die blaue Korean Cargo hab ich genau beim Take-Off fotografiert, mit dem Tower im Hintergrund.“ Dass die Fotografen auf dem Schutthügel ihrer Leidenschaft nachgehen können, ist eine Ausnahme. „Hier kommt sonst kein Besucher hin“, sagt Martin Stiller, Tour-Guide und Fraport-Mitarbeiter. Seid halb acht in der Früh begleitet er die Gruppen im Zwei-Stunden-Takt auf die Baustelle, für manche ist es heute schon die zweite Tour.

„Früher mussten mich die Leute in ein Flugzeug reinprügeln“

Lucie und ihr Freund wollen so viel mitnehmen wie möglich, denn der Schuttberg wird bald wieder verschwinden, das Material wird abgetragen und auf der Baustelle verwendet. Dass die beiden irgendwann Flugzeugfreaks werden würden, hätten sie bis vor einigen Jahren selbst nicht geglaubt. „Früher mussten mich die Leute in ein Flugzeug reinprügeln“, sagt Andreas. Und auch seiner Freundin waren die fliegenden Giganten richtig unheimlich: „Ich hatte bis vor drei Jahren totale Flugangst. Als ich mich dann intensiv mit dem Fliegen beschäftigt habe, ist das ins Gegenteil umgeschlagen. Andreas hab ich dann auch angefixt.“

Seitdem liebt Lucie Buben den Sound der Triebwerke. Sie nimmt das Handy aus der Jackentasche und checkt ihre Flightradar-App. Ob sie heute noch mal ihren Liebling, die Lufthansa Cargo MD11, vor die Linse bekommt? „Nein, leider nicht. Aber wir bleiben bis morgen in Frankfurt, und um 05.00 Uhr bei Sonnenaufgang hat man da gute Chancen.“ 2500 Bilder haben sie mittlerweile geschossen. „Die bearbeiten wir später und stellen sie ins Netz.“

Unter den Flugzeugfetischisten ist die Kinderkrankenschwester eine Ausnahmeerscheinung, denn Planespotting ist eine Männerdomäne. „Junge Frauen sieht man hier selten“, sagt Martin Stiller. Ihm begegnen an den einschlägigen Stellen rund um den Frankfurter Flughafen täglich rund 60 mit Kameras ausgestattete Flugzeugbeobachter.

dpa

Quelle: op-online.de

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