„Politik lähmt sich gegenseitig“

Frankfurt ‐ Der Berg kreißte und gebar erst einmal gar nichts. Als sich vor knapp zwei Jahren der „Frankfurter Zukunftsrat e.V.“ mit einigem Tschingdarassabum gründete, ließ er nicht nur wissen, eine ganze Themenliste von Bildung und Erziehung über Migration und Integration, hin zu Demokratie und Globalisierung abarbeiten zu wollen. Von Christian Riethmüller

Er weckte auch Erwartungen, durchaus Substanzielles zur Diskussion dieser Themen beitragen zu können. Schließlich sollte über den Rat die geistige Elite Deutschlands in die Debatten eingreifen, die wesentlich für die Zukunft der Bundesrepublik und Europas sind.

Gut Ding will Weile haben, schrieb schon Goethe und gab damit vielleicht auch eine Empfehlung an die vielen namhaften Wissenschaftler wie etwa den Hirnforscher Wolf W. Singer, Politiker wie den frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und Unternehmer wie Maria-Elisabeth Schaeffler in Vorstand, Rat und Kuratorium des Vereins, der sich dem Motto „Zukunft denken und handeln“ verschrieben hat. Nun hat der Zukunftsrat wohl genug nachgedacht und präsentierte gestern in Frankfurt einige neue Thesen, aber auch weitere Themenfelder, denen in diesem Jahr Aufmerksamkeit gewidmet werden soll.

Bildung und Erziehung im Mittelpunkt

Hatte sich der Rat um die Vorstandsvorsitzende Sylvia von Metzler und Geschäftsführer Prof. Manfred Pohl, früher Leiter des Historischen Instituts der Deutschen Bank, schon im Oktober 2008 mit 19 Thesen zum Bildungswesen zu Wort gemeldet, stand gestern erneut das Thema Bildung und Erziehung im Mittelpunkt.

Nach Ansicht des Zukunftsrats blockieren die föderalen Strukturen in Deutschland die Bildungspolitik. Seit Jahrzehnten sei die Bildungshoheit der Länder Grund dafür, dass sich die Landesregierungen auf dem Gebiet von Bildung und Erziehung parteipolitisch zu profilieren versuchten. Damit lähme sich die Politik gegenseitig, erklärte der Pädagoge, frühere Leiter des Internats Schloss Salem und Bestseller-Autor („Lob der Disziplin“) Bernhard Bueb, der Mitglied des Zukunftsrats ist. Schülern sei auch nicht zuzumuten, im Falle eines Umzugs von einem Bundesland in ein anderes mit einem völlig anderen Schulsystem konfrontiert zu werden. Bildung solle daher „unabhängig von föderalistischen Strukturen gestaltet“ werden, forderte der Verein, der allerdings keine konkreten Vorschläge präsentierte, wie eine Alternative aussehen könnte.

Nicht über Absichtserklärungen hinausgekommen

Auch bei der Vorstellung der neu zu gründenden Zukunftskreise „Journalismus, Medien und Kommunikation“ und „Junge Politiker“ kam der Verein nicht über Absichtserklärungen hinaus. Die etwa in der Schrift „Edition Zukunft“ angekündigten Konzepte, mit denen ein „zukunftsorientierter und interdisziplinärer Prozess in Gang“ gebracht werden soll, müssen wohl noch erarbeitet werden.

Einen Schritt weiter ist der Zukunftsrat bei einem auf Dauer angelegten Projekt, mit dem „Europa in die Herzen der Menschen“ gebracht werden soll. In allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sollen sogenannte Schreibwerkstätten gegründet werden, in denen eine Zusammenarbeit zwischen Zeitungen/ Zeitschriften und Schulen/Universitäten mit Jugendlichen und jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren gefördert wird. Die Teenager und Twens sollen darüber schreiben wie sie Politik und Wirtschaft der Zukunft sehen. Die besten Artikel sollen nach Begutachtung durch eine Jury in den beteiligten Publikationen veröffentlicht werden. Ziel des Projekts ist eine gemeinsame „Europäische Zeitung“. Nach Angaben des Zukunftsrats sind bisher Deutschland, Österreich und Luxemburg an dem Projekt beteiligt, die übrigen EU-Mitgliedsländer sollen nach und nach gewonnen werden. Die Zukunft ist ja noch lang ...

Quelle: op-online.de

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