IHK üben scharfe Kritik

Politik an den Pranger gestellt

Frankfurt - Obwohl die Wirtschaft in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main noch zuversichtlich ist, haben sich die Industrie- und Handelskammern (IHK) mit mahnenden Worten an die Politik gewandt. Von Marc Kuhn 

„90 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Situation als gut oder befriedigend“, erklärte Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt, bei der Vorstellung der Beschäftigungs- und Konjunkturprognose für 2015. Für die Untersuchung wurden knapp 7 500 Unternehmen der Region vom IHK-Forum Rhein-Main, einer Initiative der Kammern im Rhein-Main-Gebiet, befragt. Daran sind auch die Kammer aus Offenbach und IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern beteiligt. Müller berichtete weiter: „Die Rückmeldungen der Unternehmen deuten darauf hin, dass sowohl im aktuellen als auch im kommenden Jahr weiter Beschäftigung aufgebaut wird - trotz der konjunkturellen Risiken. “ Für 2014 werde mit 19 000 weiteren sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, für das nächste Jahr mit 17 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet.

„Die nach wie vor stabile Binnennachfrage und das niedrige Zinsniveau sorgen dafür, dass insbesondere Dienstleistungsunternehmen und das Baugewerbe Beschäftigung aufbauen“, sagte Müller. Zudem würde der Arbeitsmarkt noch von den Reformen der Agenda 2010 profitieren. „Allerdings markieren die Rente mit 63 und der Mindestlohn eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik, die schnell wieder einen anderen Kurs einschlagen muss“, kritisierte der IHK-Präsident. „Statt nun über Vorschläge wie zum Beispiel eine Anti-Stress-Verordnung oder einen noch früheren Renteneintritt zu diskutieren, erwarten wir eine Wirtschaftspolitik für mehr Wettbewerbsfähigkeit und bessere Rahmenbedingungen für Wachstum.“ Gunther Quidde, Geschäftsführer des IHK-Forums Rhein-Main, fügte hinzu: „Die Politik ist nun gefragt, ihren wirtschaftspolitischen Kompass neu zu justieren.“ Die Liste der Aufgabenfelder sei lang. „Bezahlbare Energiepreise, solide öffentliche Finanzen, bessere Rahmenbedingungen für die Fachkräftesicherung und Infrastruktur“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. „Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen und der schwächeren Konjunkturaussichten bleibt nun kein Spielraum mehr für sozialpolitische Wohltaten.“

Nach Hochrechnungen des IHK-Forums werden die Dienstleistungsunternehmen in diesem Jahr rund 1,4 Prozent beziehungsweise 18 000 Stellen schaffen. 2015 werde die Beschäftigung um 1,2 Prozent oder etwa 16 000 Jobs steigen. Der Jobaufbau bei den Industrieunternehmen in Frankfurt-Rhein-Main setzt sich nicht fort. Die Beschäftigung werde in diesem Jahr leicht um 1 500 Stellen sinken. Für 2015 wird mit einem gleichbleibenden Stand gerechnet.

Quelle: op-online.de

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