Regionaltangente West

„Dieses Projekt nimmt Fahrt auf“

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Plakatkampagne gestartet Geplant sind zwei Schnellbahnlinien. Linie 1: Bad Homburg - Eschborn - Höchst - Flughafen - Neu-Isenburg Zentrum. Linie 2: Praunheim-Nord - Eschborn - Höchst - Flughafen - Buchschlag. In erster Linie sollen vorhandene Gleise genutzt werden, aber auch Neubaustrecken sind erforderlich.

Frankfurt - Das Rhein-Main-Gebiet wächst. Immer mehr Menschen ziehen in die Metropolregion. Autobahnen und Nahverkehr geraten an ihre Grenzen. Seit fast 40 Jahren wird über die Regionaltangente West diskutiert. Sie soll für Entlastung sorgen. Von Marc Kuhn 

Wirtschaft und Politik wollen das Vorhaben jetzt forcieren. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir tut es, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, Alfred Clouth, ebenso, auch Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel: Auf Plakaten in der Region werben mehr als 40 Unternehmer und Politiker künftig für die Regionaltangente West (RTW). Die Kampagne, die gestern am Frankfurter Flughafen vorgestellt wurde, soll im Internet fortgesetzt werden und in den nächsten Wochen über hunderttausend Menschen erreichen.

„Mit der 44 Kilometer langen Schienenverbindung von Bad Homburg über den Flughafen bis nach Neu-Isenburg werden zigtausende von Arbeitsplätzen schneller erreichbar“, erklärten Clouth und der Präsident der Frankfurter IHK, Mathias Müller. „Die Wirtschaftsstandorte entlang der Linie werden für Unternehmen attraktiver, die Region rückt näher zusammen, so dass sich auch die Wohnsituation für Fachkräfte ein Stück mehr entspannen dürfte“, erklärten sie bei der Vorstellung der Plakataktion der Kammern zur Unterstützung der RTW in Frankfurt. „Die Industrie- und Handelskammern Offenbach und Frankfurt stehen hinter diesem wichtigen Projekt“, erläuterte Clouth. Die Tangente soll Firmen und Beschäftigte im Hochtaunus-Kreis, im Main-Taunus-Kreis und im Landkreis Offenbach verbinden.

„Sehr, sehr wichtiges Projekt“

„Hier geht es um ein regionalpolitisch sehr, sehr wichtiges Projekt“, sagte Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium. Das Land hat nach seinen Worten entschieden, der RTW-Planungsgesellschaft beizutreten. Es wolle 17 Prozent der Anteile übernehmen. Gesellschafter der Organisation sind der RMV, Bad Homburg, Frankfurt, der Kreis Offenbach, der Hochtaunus-Kreis und der MainTaunus-Kreis. Nun hätten auch Neu-Isenburg, Eschborn und Schwalbach beschlossen, der Gesellschaft beizutreten, erklärte ihr Vorstandschef, Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer.

„Dieses Projekt nimmt jetzt Fahrt auf“, erklärte Samson mit Blick auf die RTW. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Bund den Großteil der Finanzierung übernimmt. Von den geplanten Investitionen in Höhe von 376,2 Millionen Euro sollten bis zu 230 Millionen Euro vom Bund, rund 90 Millionen vom Land Hessen und 56 Millionen von kommunaler Seite kommen, berichtete Clouth. Etwa 100 Millionen Euro müssten in Fahrzeuge gesteckt werden, „die zusätzlich von den Kommunen getragen werden“. Von einer groben Kostenplanung sprach Majer. Wann die Regionaltangente West realisiert wird, wollten Samson und Majer nicht sagen. „Ich werde keine Zeitpläne für das Planfeststellungsverfahren nennen“, erklärte Majer. Es sei nicht seriös, eine Zahl zu nennen, erläuterte Samson. Bis 2016 sollen die Weichen für das Planfeststellungsverfahren gestellt sein, wie Majer berichtete.

Von der Notwendigkeit der Regionaltangente West sind alle Beteiligten überzeugt. Über sie würden in Zukunft jeden Tag 46.000 Menschen fahren - „das wäre so, als würde sich ganz Dreieich auf den Weg zum Flughafen machen“, sagte Clouth. Etwa 15.000 von ihnen werden das Auto stehen lassen, wenn die RTW gebaut ist, wie er schätzt. Viel Kraftstoff und CO2 würden eingespart. „Eine enorme Entlastung - für die Umwelt, die Straßen im Rhein-Main-Gebiet und das bisherige S-Bahn-System“, erklärte Clouth.

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Eine Entlastung für die Lufthansa-Mitarbeiter erwartet Markus Pauly, kaufmännischer Leiter der Kranichlinie in Frankfurt. Von etwa 37.000 Kollegen hätten 31.000 ein Jobticket. Viele würden dennoch das Auto nutzen. Die Lufthansa habe rund 9000 Parkplätze am Flughafen. Pauly rechnet damit, dass viele Mitarbeiter auf den Nahverkehr umsteigen würden. „Die RTW hat für uns direkten Nutzen.“

Auch Müller betonte: „Die RTW ist ein verkehrstechnisch wichtiges Projekt.“ Der IHK-Präsident erinnerte daran, dass täglich fast 270.000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet zu ihren Arbeitsplätzen pendeln. Das seien etwa 70 Prozent der Beschäftigten. Die Regionaltangente ist nach den Worten von Müller eine „Antwort auf die wachsende Metropolregion“. Städte und Gemeinden an der Strecke würden zudem attraktiver. Nun seien die Weichen für die nächste Phase gestellt, sagte Müller. Auch Majer machte sich für die Tangente stark, da die Infrastruktur an ihre Grenzen gekommen sei. „Die RTW ist ein Leuchtturmprojekt, das die Region sich gemeinsam vorgenommen hat.“

Quelle: op-online.de

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