Notbremsung, Ausweichen, Slalom fahren

Wie Polizisten sicheres Fahren trainieren

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Polizeibeamte trainieren auf dem Gelände des Fahrtrainingszentrums der hessischen Polizei bei Hünstetten das Fahren und Bremsen auf nasser Fahrbahn.

Hünstetten - Ab in den Streifenwagen, Blaulicht an und los. Wenn ein Notruf eingeht, muss es schnell gehen. Wie Hessens Polizisten dabei sicher auf den Straßen unterwegs sind, lernen sie in einem speziellen Fahrtraining.

Wäre das kegelförmige Hütchen eine Leitplanke, hätte Wolfgang Brandts Dienstwagen jetzt eine ordentliche Beule. Doch die Kollision mit dem Kunststoffteil übersteht das Auto unversehrt. Vollbremsung mit Ausweichen war die Aufgabe für den Hauptkommissar. Das Szenario: Die Polizisten fahren auf einen plötzlich auftretenden Stau zu, müssen voll bremsen und auf den Standstreifen ausweichen. Das Bremsen hat gut geklappt, nur das Ausweichen muss Brandt noch üben. Und genau dafür nimmt er am neuen Fahrsicherheitstraining der hessischen Polizei teil.

Seit 40 Jahren ist Wolfgang Brandt im Dienst. Er sagt, ein gutes Drittel seiner Arbeitszeit verbringe er im Auto. Seit seiner Ausbildung zum Polizisten hatte der 56-Jährige an keinem Fahrsicherheitstraining mehr teilgenommen. Fahrten mit Blaulicht hätten aber zugenommen, sagt er. Wenn der Polizist dabei mit Tempo 70 durch eine Stadt braust, lauern einige Gefahren. Eine Auffrischung kommt da genau richtig.

Die hessische Polizei hat ein eigenes Fahrtrainingszentrum in der Gemeinde Hünstetten-Wallbach nahe Idstein. Das neue Tagestraining hat Knut Tamme, Teilfachbereichsleiter Fahrtraining, mit seinen Kollegen der Polizeiakademie Hessen entwickelt. "Wir bieten ein Paketsystem an", sagt er. Die Polizisten könnten verschiedene Übungen wählen: die richtige Sitzposition, Notbremsung mit Ausweichen, Bremsen auf gleitender Fläche und Slalom fahren. Dabei müssten immer die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen der Beamten berücksichtigt werden, erklärt er. Hauptkommissar Brandt ist heute mit kompletter Ausrüstung zum Training gekommen: Pistole, Teleskop-Schlagstock, Taschenlampe, Ersatzmagazin, Gummihandschuhe, schnittfeste Einsatzhandschuhe, Pfefferspray, Handschellen und Handy hängen am Gürtel. "Da müssen die Beamten bereits beim Anschnallen aufpassen", erklärt einer der Fahrlehrer.

Bilder: Fahrtraining für Polizisten

Die Polizeiakademie verfolgt mit dem Training vor allem zwei Ziele: "Wir wollen das Verletzungsrisiko der Beamten minimieren und die Unfallzahlen verringern", sagt Tamme. Einfach sei das nicht. "Wir müssen bei den Beamten jahrelange Automatismen durchbrechen, wenn es beispielsweise um das richtige Lenken geht." Nach einer kurzen theoretischen Einweisung geht es für die 16 Polizisten mit dem praktischen Teil los. Drei Fahrlehrer trainieren mit der Gruppe auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots. Die erste Übung: Slalom fahren. Dabei fällt der ein oder andere Leitkegel um, volle Konzentration ist gefragt. Nach den ersten Runden erklärt Volker Weyershäuser den Beamten, wie sie es besser machen können: "Gefühlvoll lenken!" Das wird er heute noch häufiger sagen. "Wir wollen den Polizisten im Training die eigenen und die Grenzen der Wagen aufzeigen", sagt Tamme. "Schutzleute vergessen das oft. Wenn sie einen Notruf bekommen, wollen sie helfen und so schnell wie möglich vor Ort sein." Das oberste Ziel müsse aber sein, unversehrt anzukommen. "Auf der Fahrt gehe den Beamten viel durch den Kopf", sagt Tamme.

Die nächste Übung ist eine Notbremsung. Wolfgang Brandt ist nun in einem Kleinbus unterwegs. Das Gewicht des Fahrzeugs drückt beim Bremsen stark nach vorne. "Das merkt man sehr", sagt Brandt. Runde um Runde bremsen die Beamten. Volker Weyershäuser steht am Rand und gibt immer wieder Rückmeldung über das Funkgerät: Haben die Polizisten gut gebremst, gibt es ein knappes "Gut". Bei Fehlern folgen direkte Hinweise: "Das wäre jetzt ein Unfall mit 30 Stundenkilometern Aufprallgeschwindigkeit gewesen", oder: "Leute, voll Bremsen, gefühlvoll lenken". So geht es bis in den Nachmittag. Brandt ist von dem Training begeistert. "Von allen Seminaren ist das Fahrtraining das spannendste", sagt er. Die Tipps und Erfahrungen nehme er für sein restliches Leben mit. "Ich bin froh, dass ich hier mitmachen konnte und werde versuchen, meine Automatismen zu ändern." (dpa)

Quelle: op-online.de

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