„Polizei kein Reparaturbetrieb für Gesellschaft“

Frankfurt -Rot-Weiße Tatortbänder versperren den Weg zum Frankfurter Rhein-Main Jobcenter. An der stark befahrenen Hauptstraße herrscht gespenstische Ruhe.

Mitarbeiter versuchen das Gebäude, in dem kurz zuvor eine Polizistin eine Kundin nach einem Messerangriff erschossen hat, möglichst unbehelligt zu verlassen. Der Schrecken steht ihnen noch ins Gesicht geschrieben. „Wir stehen alle unter Schock“, sagt einer.

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Dienstwaffe im Einsatz

Um kurz nach neun Uhr am Donnerstagmorgen fällt der tödliche Schuss. Die 39-jährige Kundin der Jobcenter-Außenstelle für Wohnungslose und Menschen mit Suchtproblemen hat zuvor im Büro eines Sachbearbeiters randaliert. Als eine Polizeistreife eintrifft, greift sie einen Polizisten mit einem Messer an und verletzt ihn schwer. Daraufhin schießt die Kollegin des Mannes „zur Abwehr dieses Angriffs“ einmal, wie es in der Mitteilung des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft heißt. Die Frau wird so schwer verletzt, dass sie rund eineinhalb Stunden später im Krankenhaus stirbt.

Bilder vom Tatort

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 „Hier war alles voll mit Polizei“, sagt Emilija Putrimaite vom Blumenladen gegenüber einige Stunden später. Die Mainzer Landstraße sei längere Zeit abgesperrt gewesen. „Und überall waren Schaulustige, die einfach nur gestarrt haben.“ „Das heute ist ein trauriger Beleg dafür, dass die Gewalt gegen Polizisten zunimmt“, sagt der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Bruchmüller. Beamte würden bei normalen Einsätzen immer häufiger angegriffen. „Wir werden täglich mit großer Gewalt konfrontiert.“ Die Polizei allein könne das Problem nicht lösen, nur Aufklärung könne helfen, die Zahl gewalttätiger Zwischenfälle zu senken. „Die Polizei ist nicht der Reparaturbetrieb für die Gesellschaft“, betont Bruchmüller. Und: „Unsere Gedanken sind bei den Kollegen.“

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Tödliche Schießerei im Jobcenter

In der Außenstelle des Jobcenters will sich erstmal niemand offiziell äußern. Wie oft es in diesen Einrichtungen zu tätlichen Übergriffen, Beleidigungen und Randale kommt, wird nach Auskunft der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit nicht erfasst. Die Mitarbeiter würden aber darauf trainiert, brenzlige Situationen zu deeskalieren und besonders aufgebrachte Kunden zu beruhigen. „Und es gibt auch psychologische Unterstützung für die Kollegen“, sagt ein Sprecher. Manche Jobcenter - wie auch die Frankfurter Außenstelle - beschäftigten zudem eigene Sicherheitsdienste.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa/op-online.de

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