Die Polizei verkörpert

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Der scheidende Polizeipräsident Heinrich Bernhardt (links), sein Nachfolger Günter Hefner (rechts) und ihr Dienstherr, der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU).

Offenbach ‐ Wenn schon weg, dann richtig weit. „Australien“, antwortet Heinrich Bernhardt sofort auf die Frage nach seinem Wunschreiseziel. Die Zeit für solche Unternehmungen hat der scheidende Polizeipräsident ja nun. Von Christian Riethmüller

Zeit, die er mit seiner Familie verbringen möchte; mit Renovierungsarbeiten am Eigenheim in Obertshausen; mit der Lektüre von Büchern, die nicht gelesen werden müssen, weil es der Job erfordert, sondern weil man Lust darauf verspürt; mit etwas Küchenhilfe oder auch einem Kochkurs; mit Sport beim geliebten Fußballspiel und in der Tennis-Mannschaft; und ja, mit Reisen. Von Polizei ist bei dieser Aufzählung keine Rede, was deshalb etwas verwundert, weil Heinrich Bernhardt wie nur wenige andere dort Polizei verkörpert. 47 Jahre lang war Bernhardt Polizist. Er hat sich aus der Kaserne hochgearbeitet, immer gelernt, stets über seinen Beruf nachgedacht und ist dabei Sprosse um Sprosse die Karriereleiter hochgeklettert. Er wirkte viele Jahre in Frankfurt, wo er es bis zum Polizeivizepräsidenten brachte, war dann in Wiesbaden Landespolizei-Vizepräsident, bevor er 2003 an die Spitze des Polizeipräsidiums Südosthessen trat.

Diese 47 Dienstjahre will Bernhardt nun schnell aus dem Mantel klopfen, wenn er sich sein reichhaltiges Ruhestandsprogramm verordnet und betont, „keine Wehmut zu verspüren“. Doch den kompletten Schnitt vollzieht ein langjähriger Polizeichef dann doch nicht. Bernhardt wird der Polizeiarbeit beratend verbunden bleiben. Er wird im Sicherheitsausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) tätig bleiben, wie er auch als Dozent an der Hessischen Polizeiakademie in Wiesbaden sein reiches Praxis-Wissen an junge Polizisten weitergeben wird. In zweitägigen Workshops sollen da höhere Dienste in der Krisenbewältigung geschult werden. Weitere Verpflichtungen will Bernhardt vorerst aber nicht eingehen, auch wenn Anfragen aus der Privatwirtschaft wohl nicht ausbleiben werden.

Bei solch einem Engagement bliebe aber keine Zeit mehr für Reisen, die nun als erstes in einen Tennis-Urlaub mit Freunden führen. Und Australien? Zu weit, sagt Frau Bernhardt. Aber vielleicht kann der frühere Polizeichef hier noch Überzeugungsarbeit leisten, getreu nach dem Motto des begeisterten Lateiners Heinrich Bernhardt: „Fortiter in re, suaviter in modo („Stark in der Sache, süß in der Form“).

Quelle: op-online.de

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