Angehalten!

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Blitzer auf der A66, Polizeibusse auf dem Waldparkplatz oder Kontrollen auf der Kennedy-Allee: Die 7 580  Anhänger (bei Redaktionsschluss) der Facebook-Seite warnen sich im Straßenverkehr.

Frankfurt - Blitzer auf der Friedberger-Allee oder Polizeikontrollen am Herrenufer, vor Knöllchen und Fahrverbot muss sich in Frankfurt jetzt keiner mehr fürchten: Eine neue Facebook-Seite warnt Autofahrer vor Blitzern und den Gesetzeshütern in Frankfurt und Umgebung. Von Niels Britsch

Erst mal würde uns natürlich interessieren, wer hinter der Facebook-Gruppe „Polizeikontrollen Frankfurt“ steckt?

Wir sind ein kleines Team aus Angestellten und Freiberuflern.

Warum möchten Sie anonym bleiben?

Wir wollen, dass unsere „Sache“ im Vordergrund steht. Gesichter sind da überhaupt nicht so wichtig.

Wie sind Sie darauf gekommen, einen solchen „Service“ anzubieten?

Die Idee dazu kam, als einer von uns eine beträchtliche Zeit in einer Straßen-Kontrolle verharren musste und deswegen einen wichtigen Termin nicht wahrnehmen konnte.

Was ist die Idee/Philosophie dieses „Projekts“?

Nun, wir sind alle der Meinung, dass in einer Wissensgesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, frei zugängliche und transparente Informationen ein Bürgerrecht sind. Wenn eine Seite wie „Polizeikontrollen“ den Effekt hat, dass die Autofahrer ihre Geschwindigkeit drosseln, tragen diese Informationen zu einer besseren Verkehrssicherheit bei, was wiederum dem Gemeinwohl und damit auch der Polizei dient. Wenn dann der Bürger auch noch Geld sparen kann, indem er vor Blitzer und Radarfallen gewarnt wird, haben alle etwas davon.

Warum bieten Sie das an? Ist es eine Form des Protestes gegen den „Überwachungsstaat“ bzw. gegen „Polizei-Willkür“, oder wollen Sie das Projekt künftig kommerzialisieren und langfristig damit Geld verdienen ?

Es ist kein Protest gegen etwas. Wir sind ja für etwas. Nämlich für frei zugängliche und transparente Informationen für Jedermann.

Befürchten Sie Probleme mit der Polizei?

Warum sollten wir uns denn vor der Polizei fürchten? Wir tun doch nichts Ungesetzliches oder gar Illegales. Wir vernetzen bloß nützliche Informationen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Einige Bürger könnten Ihnen vorwerfen, dass Sie damit Verkehrsteilnehmer helfen, die vielleicht anderen schaden könnten (z.B. berauschten Fahrern, Fahrzeugen mit Diebesgut oder verkehrstechnischen Mängeln) - was entgegnen Sie solchen Vorwürfen?

Aufklärung und Information sind ein Bürgerrecht. Und wir glauben an den mündigen, selbstverantwortlichen Bürger. Außerdem leben wir ja nicht in einem rechtsfreien Staat. Soweit wir informiert sind, geht die Kriminalitätsrate in Deutschland sogar zurück. Das hat jedenfalls Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung der Kriminalstatistik bekannt gegeben. Seine Worte waren: „Deutschland ist nun sicherer geworden. Deutschland gehört zu den sichersten Ländern der Welt.“ Das zeigt doch, dass unsere Polizei eine super Arbeit leistet.

Wie organisieren Sie das, wenn alle paar Minuten eine neue Meldung über eine Kontrolle bei Ihnen eintrifft, die Sie dann veröffentlichen?

Das ist zwar sehr zeitaufwändig, aber gut zu bewältigen. Die Nutzer melden Blitzer, Sperren, etc. auf der Facebook-Seite. Wir überprüfen jede Meldung und posten sie dann als Admin auf unserer Polizeikontrollen-Seite. So erscheint die Meldung bei jedem, der Fan ist und „Gefällt mir“ gedrückt hat. Mit den kommenden Erweiterungen werden wir das Verfahren automatisieren. Daran arbeiten wir gerade.

Quelle: op-online.de

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