Frankfurts Polizeipräsident nimmt Thurau in Schutz

Wiesbaden - Der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel hat seine ehemalige Stellvertreterin und bisherige Präsidentin des Landeskriminalamts, Sabine Thurau, in Schutz genommen.

Thurau habe Denunziationen aus seiner Sicht „keinesfalls gefördert, geschweige denn aufgebaut“, sagte er der „Frankfurter Neuen Presse“. Die hessische Polizei wird seit Monaten von Querelen, Kritik am Führungsstil und Mobbingvorwürfen erschüttert. Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte Thurau vor zwei Wochen auf eigenen Wunsch vorerst von ihren Aufgaben entbunden. Thiel räumte in dem Interview indirekt ein, dass Thurau ihre Arbeit von ihm unabhängig habe machen können.

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Landespolizeipräsident muss gehen

Auf die Frage, ob er seiner Vize blind vertraut habe, antwortete Thiel: „Eine Behörde, insbesondere in dieser Größe, kann nur im Team geführt werden. Team bedeutet, dass man einander vertrauen muss, sonst funktioniert es nicht.“ Es sei schlichtweg unmöglich, alle Akten zu lesen. Vorwürfen, Beamte hätten bei Kritik geringere Beförderungschancen, hielt Thiel entgegen: „Das ist aus meiner Sicht, mit Verlaub gesagt, völlig dummes Zeug.“ Er lege großen Wert auf konstruktive Kritik.

Ex-Chef der Fahndungsgruppe will 30.000 Euro

Vorsichtig äußerte sich Thiel zum Fall des suspendierten früheren Leiters der Fahndung. Dabei hatte die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser dem Polizeipräsidenten vorgehalten, Ermittlungen gegen den Beamten nach Vorwürfen des Verdachts der Untreue forciert zu haben. Der Präsident sagte: „Es wäre mir ein Anliegen, einiges richtigzustellen, was in den Medien verbreitet wurde. Doch die Aufklärungsarbeit muss vor Gericht oder anderen Institutionen, nicht aber in der Öffentlichkeit geleistet werden.“

Am kommenden Montag soll Thiel in einem Zivilverfahren wegen dieses Falls als Zeuge aussagen. Das sagte ein Sprecher des Landgerichts Frankfurt. Der Ex-Chef der Fahndungsgruppe will vom Land Hessen 30.000 Euro Schmerzensgeld, weil die Polizeispitze ihn nach seiner Ansicht vorschnell kriminalisiert habe.

Die Staatsanwaltschaft habe damals deutlich gemacht, dass ein Anfangsverdacht vorliege, sagte Thiel. Dies gelte auch für das Gericht, dass einen Durchsuchungsbeschluss erlassen hatte. „Die Auffassung, die Frau Thurau und ich hatten, wurde also von zwei unabhängigen Instanzen geteilt.“ Weiter äußerte sich Thiel mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. „Es wäre eine Missachtung des Gerichts und anderer Betroffener, in der Öffentlichkeit etwas zu sagen, was in den Zeugenstand gehört.“

dpa

Quelle: op-online.de

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