Kommentar: Polizisten im Regen

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Peter Schulte-Holtey

Skandalös, paradox, eine Riesensauerei: Die Reaktionen auf die jüngste Affäre in Hessens Landespolitik, in der es um Mobbing und ungerechtfertigte Disziplinarverfahren bei der Polizei geht, fallen naturgemäß recht unterschiedlich aus. Von Peter Schulte-Holtey

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Unmut bei der Polizei

Oppositionsparteien auf der einen Seite, die Landesregierung auf der anderen - jeder will sein politisches Süppchen kochen, versucht die Anschuldigungen auf seine Weise ins rechte Licht zu rücken. Dabei wird völlig übersehen, dass Hessens Polizisten, um die es doch eigentlich geht, wieder einmal allein im Regen stehen gelassen werden. Wer den Beamten zur Seite springen und die offenkundigen Probleme in der Personalführung korrigieren will, sollte sich doch vor allem mit dem Polizeialltag in den Dienststellen beschäftigen. Dass die Personaldecke von Hessens Polizei schon lange nicht mehr reicht, ist doch nicht allein eine gewerkschaftliche Klage. Überstunden-Berge und enorme Belastungen für den einzelnen Beamten sind die Folge. Viele Polizisten haben mit gravierenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Immer mehr sind für längere Zeit dienstunfähig. Von Burnout-Syndrom und körperlicher Erschöpfung ist die Rede. Hinzu kommt eine dramatisch gestiegene Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten, die letztlich auch körperlich oder psychisch bedingte Ausfallzeiten erhöht.

Innenminister Volker Bouffier darf sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen und den Eindruck verbreiten, es sei in Hessens Polizeiverwaltung alles Friede, Freude, Eierkuchen - und der Umgang mit den Mitarbeitern gar besonders vorbildlich. Er wird den Appell der Personalräte und Gewerkschaftsvertreter endlich ernst nehmen müssen. Er sollte sich mehr mit den wachsenden Sorgen und Befürchtungen der Beamten in den Polizeistationen beschäftigen.

Quelle: op-online.de

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