Porsche-Taxi in Frankfurt

„Alle haben doch einen Traum“

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Das Porsche-Taxi in Frankfurt.

Natürlich steigt er aus und öffnet den Schlag, und schon versinkt der Fahrgast in einem superbequemen dunkelbraunen Ledersitz. Nurullah Olca lächelt, er kennt das: Leute, die das erste Mal in einem Luxusauto fahren, genießen es schon beim Einsteigen. Von Petra Wettlaufer-Pohl 

Olca, grauhaariger Endfünfziger mit dunkler Hornbrille, Jeans und schwarzem Jacket, den modernen Schal leger um den Hals geschlungen, passt zu dem Auto, das er jetzt seit August 2012 täglich durch Frankfurt steuert. Denn eigentlich ist Olca ein ganz normaler Taxifahrer, und das seit 25 Jahren. Nur sein Auto, das ist etwas Besonderes: ein Porsche Panamera, elfenbeinfarben wie alle Taxis, aber nicht glänzend lackiert, sondern matt. Seit die Kinder groß sind und er auch mal an sich denken kann, fährt er diesen Wagen: „Wir haben doch alle einen Traum.“ Ausgesucht hat er ihn, weil der Panamera auch im Fond für die Fahrgäste sehr komfortabel sei.

Olca fährt los, keine Ecke, an der Passanten nicht staunen und die Handykamera zücken. „Porsche-Taxi?“ Olca spricht das Wort aus und bewegt dabei überdeutlich den Mund. „Ich kann jetzt schon Lippenlesen.“ Neider? Na klar, so manche Kollegen schauen schon abschätzig, überlegen, wie er sich das leisten kann. Nur auf Sylt soll es noch ein Porsche-Taxi geben. Olca sagt, er kommt finanziell hin, zu ganz normalen Taxi-Preisen natürlich, „die sind ja vorgeschrieben.“ Er fährt den ganzen Tag, nachts nur für Kunden, die er kennt. Er hat viele Stammkunden, aber steht genauso am Standplatz irgendwo in Frankfurt. Steigt aus mit charmantem Lächeln, wenn einer sich nicht traut einzusteigen.

Der gebürtige Türke, der schon als Kind nach Deutschland kam, machte zunächst eine Schreinerlehre und arbeitete in einem Sozialprojekt der katholischen Kirche. Als das gestrichen wurde, wollte er wie viele „ein paar Mark“ mit Taxifahren verdienen. Heute sitzt er im Prüfungsausschuss der IHK und ärgert sich über Leute, die Geld verdienen wollen, aber mit Kundenservice nichts am Hut haben.

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Auf der Fahrt wird der Mann zum Stadtführer, erklärt die Geschichte einzelner Häuser, kennt sich in der Stadtpolitik so gut aus wie auf dem Stadtplan und strahlt: „Ich liebe diese Stadt.“ Der Panamera gleitet langsam durch das Bankenviertel. Hat man im Porsche nicht auch mal Lust, ihn auszufahren? „264“, verrät Olca verschmitzt lächelnd: „Das hat der digitale Tacho angezeigt, morgens um vier auf der A3 zwischen Seligenstadt und Aschaffenburg.“ Hier in Frankfurt ist gerade eher stop-and-go angesagt. Aber das macht nichts. Da bleiben noch mehr Leute stehen und zücken die Handykamera: „Porsche-Taxi!“ Man kann es tatsächlich an den Lippen lesen.

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Quelle: op-online.de

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