Der Prachtkäfer schillert seit 47 Millionen Jahren

Frankfurt - (dpa) Vom metallisch schimmernden Prachtkäfer über die Urechse bis zum kletternden Urhufer: Sensationell erhaltene Neufunde aus der Grube Messel hat das Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt vorgestellt. Die Fossilien wurden in den vergangenen beiden Jahren auf Deutschlands einzigem Weltnaturerbe ausgegraben.

Die Grube Messel - ein ehemaliger Kratersee - gilt als weltweit einzigartige Fossilienstätte. Die dort entdeckten Skelette aus dem Eozän - der Zeit vor rund 47 Millionen Jahren - sind oft vollständig erhalten.

Die Grube - rund 20 Kilometer südöstlich von Frankfurt bei Darmstadt gelegen - entstand vor 50 Millionen Jahren durch einen Vulkanausbruch. Damals lag Messel im Regenwald mit einem ganzjährig feuchtwarmen Klima. Seit 1974 wird in Messel gegraben. Bekannteste von mehreren hundert dort entdeckten Tier- und Pflanzenarten ist das etwa 30 Zentimeter große Urpferdchen, das als Vorfahr des Pferdes gilt.

Unter den Neufunden ragt bei den Insekten nach Angaben der Forscher der etwa 15 Millimeter große Prachtkäfer (Psiloptera) hervor, der auch nach 47 Millionen Jahren seine bunte Färbung behalten hat. Vertreter dieser Art kommen heute nur noch in den Tropen vor. Dazu gehört auch eine Weber-Ameise, die während ihres Hochzeitsflugs in den ehemaligen Messelsee gestürzt und ertrunken ist. Die Weber-Ameise baut ihr Nest aus lebenden Blättern.

Unter den Reptilien konnte eine etwa 50 Zentimeter große Krustenechse identifiziert werden, deren heutige Verwandte (Helodermatiden) in den USA wegen ihrer Giftigkeit als „Bullbeißer der Echsenwelt“ gelten. Auch die in Messel gefundene Echse zeige schon typische Giftrinnen an den Zähnen, sagte der amerikanische Reptilienexperte Krister Smith.

Unter den Neufunden sind die Forscher besonders auf den kletternden Urhufer (Kopidodon macrognatus) stolz. Das knapp ein Meter lange Tier hatte eine langen buschigen Schwarz und ernährte sich von Pflanzen und Früchten. Weitere Erkenntnisse über das Tier werden vom gut erhaltenen Mageninhalt des Neufundes erwartet. Auch ein hervorragend erhaltenes Exemplar eines der ältesten Nager der Erdgeschichte (Masillamys) gehört zu den jüngst geborgenen Fossilien.

Ebenfalls wieder gefunden wurde ein archaisches Säugetier (Leptictidium auderiense), das durch eine 2001 ausgestrahlte BBC-Dokumentation über Messel weltberühmt wurde. Der Vierbeiner bewegte sich - ähnlich wie ein Känguru - nur auf zwei Beinen fort. Das im vergangenen Jahr gefundene Exemplar ist das erste Jungtier dieser Gattung und hatte mit 40 Wirbeln einen sehr langen Schwanz.

Die Grube Messel ist eine einzigartige Fossilien-Fundstätte. Die Fossilien stammen aus der Zeit vor 47 Millionen Jahren, als sich die Säugetiere nach dem Aussterben der Saurier explosionsartig vermehrten. Von 1884 bis 1971 wurden auf dem 1000 Meter langen und 700 Meter breiten Gelände rund 20 Millionen Tonnen Ölschiefer abgebaut. Bürgerproteste und Gerichtsverfahren verhinderten nach der Stilllegung der Grube den Plan, diese mit Bauschutt und Industrierückständen aufzufüllen. 1991 erwarb das Land Hessen das Areal für 16,7 Millionen Euro. Seit 1995 ist die Grube von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt.

www.grube-messel.de

Quelle: op-online.de

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