Prächtige Grabbeigaben

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Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts der Stadt Frankfurt, vor einer Vitrine mit Fundstücken aus Harheim.

Frankfurt ‐ Gold, Silber, Perlen, kostbare Glasgefäße - in Harheim lebte es sich im sechsten und siebten Jahrhundert nicht schlecht, vielleicht nur etwas feucht. Auf Sumpf- oder Feuchtland weist nämlich der Wortbestandteil „hore“ im ursprünglichen Namen „Horeheim“ des Frankfurter Stadtteils hin, der im Jahr 786 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Von Christian Riethmüller

Doch schon vorher siedelten in der Gemarkung Menschen. Darauf weisen nicht zuletzt die verschiedenen Gräberfunde hin, die in Harheim bereits seit dem Jahr 1890 immer wieder gemacht wurden. Herausragend aus archäologischer Sicht war neben dem Fund eines Gräberfelds aus der Eisenzeit die Entdeckung eines frühmittelalterlichen Friedhofs mit über 130 Gräbern im Jahr 2007. In umfangreichen Grabungen konnten die Archäologen in den Jahren 2008 und 2009 die Gräber aufdecken und dokumentieren. Sie stießen dabei nicht nur auf Skelette, sondern auf außergewöhnlich reiche Grabbeigaben, darunter goldene und mit Edelsteinen verzierte Fibeln, silberne Armringe, bunte Perlen, Glas- und Keramikgefäße sowie unterschiedliche Waffen.

Eine Reiterfibel aus einem Frauengrab.

Viele dieser Funde, von denen etliche erst teilrestauriert sind, werden nun in einer Sonderschau im Archäologischen Museum Frankfurt gezeigt. Dort informiert die in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt der Stadt zusammengestellte Ausstellung „Die Gründer von Frankfurt-Harheim“ über die Besiedlung der Ortschaft im Norden Frankfurts.
„Horeheim“, so die Archäologen, müsse man sich als kleine, eigenständige Siedlung mit einem zugehörigen Ortsfriedhof wenige Kilometer nördlich des fränkischen Königshofs Franconofurd vorstellen. Die Gründerfamilien, womöglich fränkischer Adel, werden sich um 500 n. Chr. im Einvernehmen oder im Auftrag der fränkischen Herren hier angesiedelt haben, um einen der wichtigsten überregionalen Verkehrswege - die Straße von Mainz nach Fulda - zu schützen und den Handel zu gewährleisten.

„Die Gründer von Frankfurt-Harheim“ ist bis 29. August im Archäologischen Museum, Karmelitergasse 1, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr.

Die reiche Ausstattung der Gräber deutet auf den Wohlstand der Bevölkerung hin, der aus der wichtigen Aufgabe resultiert haben dürfte. Ausgestellt werden unter anderem die Beigaben aus vier Bestattungen - eines Kriegers, einer Dame und zweier Kinder. Zu sehen sind bunte Perlen, Überreste von Gürteln, Trachtenschmuck aus Gold und Silber oder auch Waffen, darunter ein Ango genannter Spezialspeer.

Der war nicht nur Waffe, sondern auch Rangabzeichen der fränkischen Elite, was auf einen hohen sozialen Status des begrabenen Kriegers hinweist. Neben den Grabfunden informiert die Schau auch über die Arbeit der Archäologen und Restauratoren, weshalb einige Ausstellungsstücke bewusst in halbfertigem Zustand vorgeführt werden.

Quelle: op-online.de

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