Preise für zwei Planer

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Stolz geschwellt mit den beiden Siegermodellen: TU-Kanzler Manfred Efinger, Architekt Ferdinand Heide, Staatssekretär Gerd Krämer, TU-Präsident Hans Jürgen Prömel und Architekt Dietmar Leyk (von links).

Darmstadt ‐ „In den vergangenen zehn Jahren hatten wir eine Vervierfachung der Bibliothekennutzung an der TU Darmstadt“, sagt Manfred Efinger, Kanzler der Technischen Universität in der südhessischen Stadt. Von Jens Dörr

Die Menge der Bücher und neuen Medien, die den 21 000 Studenten der deutschlandweit angesehenen Hochschule zur Verfügung steht, ist allerdings die gleiche geblieben – was das Grundproblem bereits ausreichend darstellt: Zu viel Bildungsnachfrage bei unzureichendem Angebot. „Und morgens um 9 Uhr haben Sie in der Bibliothek eigentlich keine Chance, einen freien Arbeitsplatz zu finden“, schildert Efinger die unbefriedigende Situation in der Wissenschaftsstadt. Zudem sitzen die angehenden Akademiker in mancher Vorlesung immer wieder auf der Treppe, weil die Säle zu klein sind.

Das soll in Bälde anders werden: Am Standort Lichtwiese, umgeben von Vivarium und Böllenfalltorstadion, soll ein modernes Hörsaal- und Bibliotheksgebäude entstehen. Hier studieren rund 8000 der TU-Studenten, solche der Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Chemie, Maschinenbau und Material- und Geowissenschaften. Zudem sind dort, wo demnächst Hobbykicker ihre grüne Wiese für das neue Gebäude räumen müssen, „Exzellenz-Cluster“ wie zum Beispiel das der „Smart Interfaces“ untergebracht.

„Sehr gut umgesetzt“

Gestern präsentierte die Hochschule im Beisein von Gerd Krämer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Sieger des Architekturwettbewerbs, der als Vorstufe der Bebauung ausgeschrieben worden war.

Wichtig ist uns, einen Identifikationspunkt für Lehrende und Studierende des Campus Lichtwiese zu schaffen“, betonte TU-Kanzler Efinger. Das hätten die Preisträger „sehr gut umgesetzt“, jeder auf eine etwas andere Art und Weise. Die Jury, bestehend aus zahlreichen Professoren verschiedener deutscher Hochschulen sowie TU-Vertretern und Experten von Land und Stadt, empfahl insofern konsequenterweise die Überarbeitung der preisgekrönten Arbeiten auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit hin.

Ein zweiter Platz wurde wegen der beiden Sieger nicht vergeben

Heißt im Klartext: Bei einem der beiden Sieger wird im kommenden Frühjahr ein attraktiver Großauftrag ins Architekturbüro flattern. Denn entschieden ist noch nichts – den ersten Preis für den Wettbewerb zu Hörsaal- und Bibliotheksgebäude vergaben Auslober TU und die Jury zweimal. Jeweils 36.500 Euro erhielten die Büros Lwa Leyk Wollenberg Architekten aus Berlin und die Ferdinand Heide Architekt BDA aus Frankfurt-Fechenheim, die auch beim Wettbewerb zur neuen Mainbrücke Ost siegte. Mit 20.000 Euro dotiert war der dritte Platz, den ein Büro aus Köln erreichte. Ein zweiter Platz wurde wegen der beiden Sieger nicht vergeben. Viermal wurden Anerkennungen in Höhe von 9750 Euro verteilt, davon eine auch an ein Darmstädter Architekturbüro.

Die Preisgelder mögen verschwindend erscheinen angesichts der mehr als 31 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm (SIP) des Landes Hessen, die für eine rasche Detailplanung und Umsetzung des Großprojekts garantieren dürften. „Die Studienbedingungen sowie die Attraktivität der TU Darmstadt werden sich dadurch erheblich verbessern“, sagte Staatssekretär Krämer. TU-Kanzler Efinger stellt ohnehin schon eine steigende Tendenz bei den Studentenzahlen an der Darmstädter Uni fest. In die fließen aus dem HEUREKA-Programm des Landes 310 Millionen Euro – fast schon spärlich wirkt daneben der Zuschuss des Bundes aus dem Konjunkturpaket II in Höhe von 17 Millionen Euro.

Straffer Zeitplan

Der Neubau von Hörsälen und Medienzentrum laufe aber davon unabhängig, der generelle Investitionsbedarf der Hochschule würde nicht aus den zusätzlichen Mitteln gedeckt, sondern ausschließlich der Neubau, wie TU-Vizepräsidentin Petra Gehring betonte. „Der Neubau stand dennoch schon lange in unseren Plänen“, so Gehring.

Als „sehr sportliches“ Ziel titulierte TU-Kanzler Efinger den straffen Zeitplan, den man den Architekten – wer auch immer von den beiden Siegern den Auftrag letztlich erhält – vorgeben wolle: Nach der ersten Überarbeitung und Entscheidung für einen der Planer, die Ende Februar fallen dürfte, soll das Jahr 2010 im Zeichen der Detailplanung stehen. Anfang 2011 könnten die Bagger anrücken und Ende 2012 der Bau abgeschlossen sein.

Quelle: op-online.de

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