Condor: Weniger Sprit und weniger Lärm

Premiere für Flügelchen in Frankfurt

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Exakt 3,45 Meter hoch sind die Zusatz-Flügelchen. Es gibt sie schon länger, aber diese hier sind die effektivsten.

Frankfurt - Mit einem ungewöhnlichen Mitbringsel aus Peking sind gestern um 11.40 Uhr die beiden Condor-Piloten Dirk Lehmann und Holger Hoffmann auf Rhein-Main eingeschwebt. Von Michael Eschenauer

Die Tragflächen ihrer Boeing-767 zierten jeweils 3,45 Meter hohe „Winglets“. Die derzeit größten und neuesten „Flügelchen“ reduzieren sowohl Treibstoffverbrauch als auch Fluglärm. „Die verbesserte Aerodynamik war jederzeit deutlich spürbar“, sagte Lehmann nach dem zehnstündigen Leerflug, bei dem diverse Tests mit dem umgebauten Flieger absolviert wurden. Condor hat vor, alle neun Boeing 767 seiner Flotte umzurüsten. Dies wird die Fluggesellschaft rund 20 Millionen Euro kosten. Weltweit haben nur weitere vier Airlines die neuen Seitenflügel.

Kleine Siege: Die neuen aufwärts an den Tragflächen angebrachten „Winglets“ sollen Fluglärm und Kerosinverbrauch verringern. Gestern war Premiere in Frankfurt.

Und das sind die Vorteile der Winglets: Der Jahresverbrauch pro Flugzeug soll um 1300 Tonnen Kerosin sinken - und das, obwohl die Jets nach dem Umbau 1 500 Kilo schwerer und drei Meter breiter sind. „Der Haupteffekt ist der, dass sich der Unterschied zwischen dem an der Oberseite der Tragfläche herrschenden Unterdruck und dem normalen Luftdruck an den Seiten der Tragflächen angleicht“, so Lehmann. Diese Verminderung der Randwirbel ermögliche es, „die Maschine mehr zu segeln“ zu lassen.

Garantiert von der US-Herstellerfirma sei eine Verminderung des Treibstoffverbrauchs um deutlich über vier Prozent. Gleichzeitig sinke der Lärm beim Anflug um zwei Dezibel. Dies ist nicht gering zu schätzen, bedeutet doch ein Anstieg des Lärmwerts um drei Dezibel eine glatte Verdoppelung. Die beiden Flugkapitäne stellten außerdem fest, dass die Reiseflughöhe schneller erreicht wird und man während des Fluges sowie beim Landen weniger Schubkraft benötigt.

Bilder von den neuen „Winglets“

„Winglets“ an Condor-Flugzeug

Die Technik sei nichts Neues, sagt Lehmann, der als Boeing-Flottenchef das Wing-let-Projekt verantwortet. Es gebe sie schon seit 20 Jahren. Die neuen Modelle seien aber deutlich größer als die herkömmlichen, was deren positive Effekte ebenfalls steigere. Für die Boeing 767 seien Winglets bisher nicht erhältlich gewesen. Die neuen Flügelchen wurden in China montiert.

„Der Probeflug ist notwendig, um zu testen, ob die Maschinen für den Passagierflug eingesetzt werden können“, berichtet Hoffmann. Man habe geprüft, ob sich die obere und untere Geschwindigkeitsgrenze von 950 beziehungsweise 150 Stundenkilometer durch die Winglets änderte, man habe die Start- und Landeklappen sowie die umgebauten Warnanlagen getestet. „Alles ist in Ordnung, die Maschine wird in wenigen Tagen normal eingesetzt.“

Insgesamt versprechen sich die beiden Profi-Flieger eine weitere Umweltentlastung durch die Entwicklung der Triebwerkstechnik. „Hier steht eine Reduzierung des Düsenteils und eine Vergrößerung des wie ein Propeller wirkenden Schaufelteils bevor. Möglicherweise kann man sogar die Ummantelung der Triebwerke weglassen“, so Lehmann. Im Unterschied hierzu sei die Aerodynamik der Maschinen im Hinblick auf Einsparungen beim Treibstoffverbrauch wohl ausgereizt.

Quelle: op-online.de

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