Primadonna Diana Damrau in der Oper

Leidenschaft für Schöngesang

Frankfurt - Die Adresse des behandelnden Arztes hätte man sich geben lassen sollen. Denn trotz einer nicht auskurierten Bronchitis bezeugte Sopranistin Diana Damrau ihre Leidenschaft für den Schöngesang in der Alten Oper so nachhaltig wie stimmlich stabil. Von Klaus Ackermann 

Eine triumphale Rückkehr nach Frankfurt, wo sie an der Oper dereinst Weichen für eine Weltkarriere stellte. Mit einem „Best of“-Programm des Belcanto - und dabei gefühlte 100 Liebestode erleidend. Zudem in holder stimmlicher Zweisamkeit mit ihrem Ehemann, dem französischen Bassbariton Nicolas Testé. Kriegerisches Tschingderassa, Hornsignale und ein süffiges Zwischenspiel der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die mit Dirigent David Giménez das Opern-Terrain ideal bereitet. Aufs tragische Geschehen weist Vincenzo Bellinis Ouvertüre zur Oper „I Capuleti e i Montecchi“ nur andeutungsweise. Erst in Szene und Romanze der Julia ist Shakespeares berühmte Liebesgeschichte ganz nahe. Mit einer Diana Damrau, die hier schon alles gibt, ein Sopran der innerlich zu glühen scheint, sich in schneidende Spitzentöne steigert und selbst in kunstvollen Verzierungen dramatisch forcieren kann.

Ein Höhepunkt ist die Szene und Arie Raimondo-Lucia aus dem 2. Akt der Oper „Lucia di Lammermoor“ von Donizetti – er (Testé) mit stimmlich nobler Überzeugungskraft, sie (Damrau) nur schwerlich umzustimmen in ihrem großen Leid. Der schönen Erinnerung an bessere Zeiten gibt sich Bassbariton Testé in der Arie des Conte aus dem 1. Akt der Oper „La Sonnambula“ von Bellini hin, lyrisch eingestimmt, von stattlicher Tiefe, beim „Dennoch“ indes von den pfälzischen Blechbläsern ein wenig zugedeckt.

Mit traumwandlerischer Sicherheit dann die Sopranistin in der Arie der Amina aus dem 2. Akt von „La Sonnambula“, der Schlafwandlerin. Ein Liebesbekenntnis in atemraubender Höhe, die über gellende Glissandi erreicht wird. Natürlich wird bei so einem Konzert Oper szenisch wie auf dem Trockendock vorgeführt, was Damrau allerdings nicht gelten lässt, die in Gestik und Ausdruck die jeweilige Rolle förmlich zu durchleben scheint. Vor allem beim absoluten Höhepunkt des Abends, Szene, Arie und Cabaletta der Violetta aus dem 1. Akt von Verdis „La Traviata“, eine Opernperle und entsprechend blank poliert. Wie Damrau den Liebesverzicht der todgeweihten Heldin in zweifelhafte Zuversicht ummünzt, das hat Format. Dass die Stimme bei einem solchen Opern-Parforceritt in der finalen Arie aus Verdis „Luisa Miller“ ein wenig nachgibt, kratzt keineswegs am Damrau-Status einer Primadonna assoluta. Der bleibt gesichert – auch durch ärztliche Schnell-Therapie.

Quelle: op-online.de

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