Nach gut 20 Jahren Pause

In Hessen wird wieder nach Erdöl gebohrt

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Riedstadt/Heidelberg - Eine Probebohrung nach Erdöl ist in Hessen erfolgreich verlaufen. Die Föderung des „schwazen Goldes“ bei Riedstadt-Crumstadt könnte schon im Jahr 2014 beginnen.

Ein Hauch von Denver und Dallas weht durch Südhessen: Nach rund 20 Jahren Pause könnte eine Erdölquelle in der Region wieder sprudeln. Eine Probebohrung der Firma Rhein Petroleum GmbH auf einem früheren Erdölfeld bei Riedstadt-Crumstadt im Süden des Landes sei erfolgreich gewesen, teilte das Heidelberger Unternehmen am Donnerstag mit. "Wir haben das Öl exakt an der Stelle angetroffen, die wir aufgrund unserer seismischen Messungen als vielversprechend definiert haben", sagte Geschäftsführer Michael Suana. Der Untergrund wurde zwischen Oktober 2011 und März 2012 auf einer Fläche von rund 245 Quadratkilometern untersucht.

Anfang nächsten Jahres soll nach einer zweiten Probebohrung eine Ergiebigkeitsprüfung beginnen, die mehrere Monate dauern kann. Erst danach sei klar, wie viel Öl sich im Untergrund befinde und ob sich eine auf mehrere Jahre angelegte Förderung lohne. Diese könnte 2014/2015 beginnen. Laut Regierungspräsidium Darmstadt dürfte eine Genehmigung mehrere Monate dauern. Das sei auch abhängig davon, ob es Protest gegen eine Förderung gibt.

In dem früheren Feld "Stockstadt" war über 40 Jahre lang Öl gefördert worden - insgesamt fast eine Million Tonnen, was aber eine vergleichsweise geringe Menge ist. Weil es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnte, wurden die Arbeiten 1994 eingestellt. Inzwischen hat sich die Fördertechnik verbessert, zudem ist Erdöl mehr wert.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Hessen lehnt eine mögliche Ölförderung ab. "Wir wollen die nicht", sagte Sprecher Thomas Norgall. "Wenn man den Klimawandel stoppen will, mus man die Verbrennung von fossilen Brennstoffen beenden."

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Städte und Gemeinden hoffen, dass das Erdöl Geld in die kommunalen Kassen spült. Auf die Frage, was eine Förderung für Riedstadt bedeuten könnte, antwortet Bürgermeister Werner Amend (parteilos) kurz und knapp: "Gewerbesteuereinnahmen." Prognosen über die Bedeutung im Vergleich zu anderen Einnahmen will er nicht abgeben. Aber aus dem etwa 100 Kilometer entfernt gelegen Landau in der Pfalz sei ihm bekannt, dass die Kommune davon profitieren könne. "Da sprudelt nicht nur Öl." In Landau holt eine Tochter des Chemiekonzerns BASF bereits seit 1955 den wertvollen Rohstoff aus dem Boden.

Der Fund lässt auch in Stockstadt beim früheren Erdölfeld Erinnerungen wach werden. "Das Erdöl hat viel Geld in die Gemeindekasse gespült", sagt der ehemalige Bürgermeister Klaus Horst (SPD). "Damit war ein gewisser Wohlstand verknüpft." Stockstadt habe sich einiges leisten können, worauf Nachbarkommunen neidisch schielten. So sei schon in den 1960er Jahren ein Freibad möglich gewesen. "Das war schon ein goldenes Zeitalter."

dpa

Quelle: op-online.de

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