Womit Kunden jetzt rechnen müssen

Es läuft nicht rund beim RMV

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Große Pläne beim Rhein-Main-Verkehrsverbund: Einiges steht noch unter dem sogenannten Finanzierungsvorbehalt, Bund und Ländern müssen erst einmal grünes Licht geben. (Bild vergrößern)

Frankfurt - Professor Knut Ringat ahnt es bereits. „2015 wird nicht leicht für den RMV und seine Kunden“, schwört der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbundes auf rauen Wind in diesem Jahr ein. Es läuft derzeit nicht rund. Von Peter Schulte-Holtey

Was die RMV-Verantwortlichen besonders ärgert

Im Kostengeschacher zwischen Bund und Ländern ist die Frage der künftigen Finanzierung von Bussen und Bahnen aus „Berliner Geldtöpfen“ ungeklärt. Hintergrund des Problems: Jedes Jahr erhalten die Länder Mittel vom Bund, mit denen sie vorrangig den Betrieb von Regionalzügen und S-Bahnen finanzieren. Mit diesen sogenannten Regionalisierungsmitteln können sie die tatsächlichen Kosten jedoch nicht decken. Die Länder sehen einen deutlichen Mehrbedarf. Ein Gutachten ergab jetzt, dass bundesweit 8,5 Milliarden Euro erforderlich sind, das sind 1,2 Milliarden mehr als im Moment. Der RMV erhält für 2015 aus öffentlichen Zuschüssen 507,9 Millionen Euro.

„Der Bedarf liegt aber bei 527 Millionen. Wenn der Verteilungsschlüssel innerhalb Hessens so bleibt, wie er derzeit ist, fehlen dem RMV 2015 bis 2016 rund 64 Millionen Euro“, erläutert Ringat. Ein Beispiel macht das Problem transparenter: Eine Fahrkarte im RMV-Gebiet wird mit rund 44 Prozent vom Staat finanziert - und das soll möglichst so bleiben. Eine Ticket der Preisstufe 4 (Fahrkartenpreis 4,55 Euro) entspricht eigentlich einem Aufwand von 8,13 Euro. Darin sind acht Prozent Umsatzsteuer, 22 Prozent Personalkosten, sieben Prozent Stationskosten, 14 Prozent Kosten für Energie, 22 Prozent Trassenpreise und 27 Prozent Kosten für die Fahrzeuge enthalten. Höchste Eisenbahn wird es aber auch für Investitionen in die Schienen-Infrastruktur in Rhein-Main und für Unterstützung aus Berlin für Ausbaupläne (siehe Grafik oben).

Womit RMV-Kunden jetzt rechnen müssen

Die anschwellenden Pendlerströme in Rhein-Main (allein Frankfurt wächst jedes Jahr um 15 000 Einwohner / inzwischen arbeiten 670 000 Menschen in der Stadt) sind für den RMV nur mit größter Kraftanstrengung zu meistern. Ein neues Stellwerk für den S-Bahn-Tunnel unter der Frankfurter Innenstadt soll Erleichterung bringen.Vom 25. Juli bis zum 26. August, also in den Sommerfreien, bleibt deshalb die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Mühlberg vollkommen gesperrt. Das moderne Stellwerk schafft überhaupt erst die Möglichkeit, die geplante Nordmainische S-Bahn ins RMV-Netz zu integrieren. Die Furcht vor einer weiteren Zunahme der Zahl der Verspätungen ist berechtigt; die Unpünktlichkeit beginnt jetzt bei 2:59 Minuten.

Worauf Fahrgäste hoffen können

Es wird ein neues Tarifangebot eingeführt, mit dem zum Beispiel Fahrten von Offenbach nach Oberrad günstiger werden. Der Fahrpreis soll sich stärker an der zurückgelegten Strecke orientieren als beim bisherigen Tarifsystem mit der starren Wabenstruktur. Zunächst soll das Ticket aber nur auf dem Smartphone angeboten werden. Mitte des Jahres will der RMV endgültig entscheiden. Für die flächendeckende Einführung des Regionaltarifs ist die größte Herausforderung die Vertriebsinfrastruktur, alle Verkaufsgeräte müssen in der Lage sein, den neuen Tarif zu verkaufen.

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Quelle: op-online.de

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