Projekt Riederwaldtunnel

Der große Sprung nach vorn

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Frankfurt - Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, doch die Baufahrzeuge werden wohl frühestens im Laufe des kommenden Jahres mit dem Buddeln beginnen. Von Michael Eschenauer

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Blechlawinen unter Tage„Wir sind derzeit nicht in der Lage, belastbare Prognosen zu Terminen abzugeben“, sagt der für den Riederwaldtunnel zuständige Dezernatsleiter bei HessenMobil, Jürgen Semmler, und verweist auf anhängige Klagen von Tunnelgegnern sowie extrem aufwendige Vorarbeiten für den großen Sprung nach vorn. Dass das mit dem offiziellen Eröffnungstermin Jahre 2020 nicht so ganz hinhauen wird, kann man sich an seinen fünf Fingern abzählen: Sechs bis sieben Jahre sind für den Bau der insgesamt 2,2 Kilometer langen Gesamtstrecke mit einen 1100 Meter langen Tunnel im Mittelteil veranschlagt. Verbunden werden sollen der Autobahnstumpf der A66 in Bergen-Enkheim mit der Ostumgehung A661. Auf diese Weise wollen die Verkehrsplaner den Dauerstau im Erlenbruch am Rande des Wohngebiets Riederwald beenden. Der Lückenschluss würde außerdem den unhaltbaren Zustand beenden, dass sich Autobahnreisende bei ihrer Anschlusssuche durch dichtbesiedelte Wohngebiete quälen müssen.

Am Autobahndreieck Erlenbruch, einer dreistöckigen Brücken-Konstruktion hinter dem FSV-Stadion, das die Tunnelstrecke an die A661 anschließt, ist die Lage klarer: Hier wurde bereits mit den Aushubarbeiten begonnen. Dazu kommen die Straßenarbeiten an der Verbreiterung der A661 auf ihrer westlichen Seite zwischen Eissporthalle und Friedberger Landstraße auf insgesamt vier echte Fahrspuren plus Standstreifen. Für die Straßenarbeiten an der A661 und den Bau des Autobahndreicks Erlenbruch sind zweieinhalb Jahre veranschlagt. Die beiden Brücken bei Seckbach und am Erlenbruch sind bereits fertig. Der Teufel beim Tunnel steckt im Detail und kostet Zeit, viel Zeit. Allein die Vorbereitungsarbeiten für die Verlegung von Gas-, Wasser-, Stromleitungen und die Untersuchungen der Bodenbeschaffenheit sowie der Grundwasserströme laufen seit eineinhalb Jahren. Wie lange sie noch dauern, ist unklar. Alles, auch die technische Planung des Tunnelbaus an sich, muss noch in die Feinabstimmung.

Verkehrsbelastung wird um zwei Drittel vermindert

Die Vertreter von HessenMobil, Dezernatsleiter Semmler und Planungsleiter Heiko Schmitt versprechen den Autofahrern: „Wir werden den Verkehr im Bereich der Baustelle in vollem Umfang und ohne größere Störungen während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten.“ Besser als bei der durch Dauerstaus geprägten derzeitigen Verkehrslage dürfte es allerdings auch nicht werden. Ist der Riederwaldtunnel fertiggebaut, erwarten Semmler und Schmitt aber erquickliche Zeiten – vor allem für die Anwohner. „Die Verkehrsbelastung wird sich von derzeit täglich 24.000 Fahrzeugen oberirdisch um zwei Drittel vermindern. Im gleichen Ausmaß wird der Verkehrslärm abnehmen.“ Die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer in dem derzeit hochbelasteten Bereich soll sich deutlich verbessern. Zuvor werden allerdings alle Straßenbäume fallen, denn der Tunnel entsteht exakt da, wo die Straße Erlenbruch und die oberirdische U-Bahnstrecke verlaufen. Einzig ein dünner Streifen mit Gebüsch und Bäumen bleibt auf der nördlichen Seite stehen. Er soll Fledermäusen helfen, ihren Weg vom Fechenheimer Wald zum Ostpark zu finden.

Viel zu sehen von der geplanten unterirdischen Stadtautobahn ist derzeit nicht am künftigen Bauplatz, Kleingärten wurden geräumt und an vielen Stellen ragen die Stutzen für Bodenerprobungen aus der Erdoberfläche. Für den, der künftig aus Richtung Ostpark in die Straße am Erlenbruch in Richtung Hessencenter bzw. A66 einbiegt, ändert sich nichts. Er bleibt trotz der Bauarbeiten auf der alten Straße. Umdenken muss aber der Ost-West-Verkehr von Enkheim in Richtung Ostpark. Autos und U-Bahn folgen während der Zeit der Bauarbeiten einer verschobenen Trasse, die parallel in einem Abstand von 50 Metern Richtung Norden zur Straße Am Erlenbruch verläuft. Diese Ausweichstrecke beginnt kurz nach der Einmündung der Borsigallee in die Straße Am Erlenbruch und endet etwa in Höhe des Eintracht Trainingszentrums Riederwald. Danach entfernt sich der Tunnel vom Straßenverlauf. Auf diese Weise schaffen die Verkehrsströme eine Art Ring um eine Insel –und genau dort wird der Tunnel gebaut.

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„Der Charme diese Lösung ist, dass der Ringverkehr während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten wird“, so Schmitt. Der Baustellenverkehr stört ebenfalls nicht. Er erreicht die Baustelle nicht über das normale Straßennetz, sondern über die Autobahn-Teilstücke, was die Behinderungen vermindert. Die Abfahrt Enkheim der A66, die sich derzeit westlich des Hessencenters befindet, wird 200 Meter weitergeschoben bis auf Höhe Kruppstraße. Wer hier nicht abfährt, erreicht nach etwa 400 Metern über eine Rampe den Tunnel mit seinen zwei Fahrspuren in jede Richtung. Der Tunneleingang wird im Dreieck von Wächtersbacher Straße und Borsigallee liegen. Den Untergrund verlassen die Autofahrer in Höhe des Trainingsstadions der Frankfurter Eintracht. Danach passieren sie den VGF-Betriebshof Ost und fahren auf die A661 auf – entweder in Richtung Bad Homburg nach Norden oder in Richtung Offenbach, A3 und Egelsbach nach Süden.

Quelle: op-online.de

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