Projekt Riederwaldtunnel nimmt Gestalt an

Blechlawinen unter Tage

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An dieser Stelle auf der A 661 wird in einigen Jahren in Richtung Riederwaldtunnel abgefahren werden.

Frankfurt - Seit 50 Jahren in der Planung, soll der Riederwaldtunnel - die Verbindung zwischen A66 und der A661 im Frankfurter Osten - bis zum Jahre 2020 Wirklichkeit werden. Nicht alle begrüßen die 1100 Meter lange Röhre. Anwohner befürchten mehr Abgas- und Lärmbelastung. Von Michael Eschenauer

Fachleute der Hessischen Straßenbauverwaltung HessenMobil haben für unsere Zeitung erstmals die Fakten zu dem Mammutprojekt zusammengestellt. Das Projekt Riederwaldtunnel, der sich unter der Straße am Erlenbruch befinden wird, existiert seit der Festlegung der Trasse im Jahre 1985. Gebaut wird am Autobahndreieck Erlenbruch und am Tunnel - beide zusammen kosten 320 Millionen Euro - seit September 2009. Und ebenso lange gibt es Widerstand. Mehrere Klagen unter anderem von Seiten des BUND gegen Tunnel und Autobahndreieck ruhen, eine andere Klage hatte zur Folge, dass der Tunnel um sechs Meter nach Süden verschoben wurde. Dies diene dem Schutz eines Grünzuges und den hier lebenden Fledermäusen, berichtet HessenMobil-Sprecher Stefan Hodes.

Der Lückenschluss zwischen der A66 in Bergen-Enkheim und der dortigen provisorischen Abfahrt am Hessen-Center bis zur Ostumgehung ist 2200 Meter lang. Die Autos werden nicht nur durch den aus zwei Röhren mit je drei Fahrspuren bestehenden Tunnel fahren, sondern auch in sogenannten Trögen, also in unter die Oberfläche abgesenkten Bereichen. Hodes und die Experten seiner Behörde gehen von einer Zeitersparnis für die Autofahrer von bis zu 50 Prozent im östlichen Umfeld der Mainmetropole aus.

Fahrzeug-Frequenz steigt an

Hat die A66 mit Hilfe des Tunnels ans Autobahnsystem bei Frankfurt angedockt, verändern sich die Verkehrsströme. Auf der Ostumgehung (A661), die derzeit zwischen Frankfurt-Ost und Friedberger Landstraße sechsspurig ausgebaut wird (je zwei Fahrspuren plus je ein Standstreifen; am Dreieck wird es noch breiter) steigt mit der Eröffnung des Riederwaldtunnels die Fahrzeug-Frequenz von derzeit 93.500 auf 112.000 Autos täglich. Durch den Tunnel selbst werden nach den Prognosen im Jahre 2025 etwa 101.900 Autos pro Tag rollen. HessenMobil geht von mehrheitlich regionalen Verkehrsströmen mit Ziel Frankfurt aus. Die Bürgerinitiativen stufen die Trasse dagegen als eindeutig überregionale Verkehrsverbindung mit den entsprechenden Zusatzbelastungen ein. Das „Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn“ spricht von einer „infamen“ Herabstufung der „Bundesfernautobahn A66“.

Die Grafik zeigt die künftigen Auf- und Abfahrten zur Autobahn 661, die in Höhe des U-Bahn-Betriebshofs Riederwald vom und zum Tunnel führen.

Die Straße „Am Erlenbruch“ - jeder kennt sie als permanent verstopfte Verbindung zwischen Eissporthalle/FSV-Stadion und dem Hessen-Center - wird nach den Berechnungen von HessenMobil durch den Tunnel darunter „erheblich entlastet“. Heute, so Hodes, verkehrten auf diesem Straßenzug täglich knapp 24 000 Kraftfahrzeuge, ähnlich viele würden es ohne neuen Tunnel auch 2025 sein. Kommt die Röhre jedoch, sinkt diese Zahl auf 8600 Autos täglich. Dies verminderte Abgas und Lärm erheblich. Dennoch grassiert die Angst vor einer Verkehrsflut. „Die Kritik ist nicht berechtigt“, erklärt HessenMobil-Sprecher Hodes. Er weist die Kritik der Bürgerinitiativen, man habe den Anteil des Lastwagenverkehrs mit neun Prozent am Tag und zwölf in der Nacht deutlich zu tief angesetzt, zurück. Die Gegner des Ausbaues gehen allerdings von über 20 Prozent Lkw-Anteil nachts und 15 Prozent tagsüber aus. Sie vermuten als Motiv der niedrigen Zahlen den Versuch, Geld beim Lärmschutz zu sparen.

Hohe Lärm- und Abgasbelastung gefürchtet

Ansatz und Methodik der Verkehrsabschätzung, so Hodes hierzu, entsprächen dem Stand der Technik. Namentlich in Bereich des Dreiecks Riederbruch, also für die Stelle, an der eine dreigeschossige Rampenkonstruktion in der Nähe des FSV-Stadions die A66 mit der A661 verbindet, wird dennoch von Bürgerinitiativen eine hohe Lärm und Abgasbelastung befürchtet. In der Nähe befinden sich eine Schule, eine Kindertagesstätte und ein Altenheim. Gefordert wird eine Abgasreinigung speziell am „Tunnelmund“. Hodes vertritt den Standpunkt, dass sich die Situation für die Bewohner der Frankfurter Stadtteile Bornheim und Riederwald durch den Straßenausbau „deutlich verbessern wird. Er verweist unter anderem auf Lärmschutzwände, passiven Schallschutz und den Flüsterasphalt für Teile der Ostumgehung. Alle Grenzwerte würden eingehalten. Dies gelte auch für die Abgasbelastung an den Tunnelausgängen.

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Verabschiedet hat man sich immerhin von finanziell und stadtplanerisch desaströsen Mega-Projekten wie der Alleenspange und dem Alleentunnel. Sie sollten über eine neue Abfahrt von derA661 bei Bornheim und eine Röhre unter dem Alleenring die Ostumgehung A661 direkt mit der A66 am Miquelknoten verbinden. Der Bundestag, so Hodes, habe im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen mit Laufzeit bis 2015 beide Vorhaben als „weiteren Bedarf“ kategorisiert. „Damit besteht kein gesetzlicher Planungsauftrag an das Land Hessen“. Man werde beide Projekte nicht mehr für den neuen Bundesverkehrswegeplan des Bundesverkehrsministeriums anmelden, so der HessenMobilSprecher.

Quelle: op-online.de

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