Protest über den Main getragen

Offenbach - Am Samstag gehen Frankfurter und Offenbacher gemeinsam auf die Barrikaden. Die Delegation von dieser Mainseite führen Rosa Kötter, Maria Böttcher und Leo Büdel an – alle drei im Vorstand des SPD-Ortsvereins Bürgel/Rumpenhein. Von Stefan Mangold

Beide Stadtteile sind unmittelbar betroffen, wenn auf der anderen Mainseite das geplante Braunkohlekraftwerk im Allessa-Gelände in Betrieb geht. Die drei Sozialdemokraten bekennen Flagge in Fechenheim bei der Demonstration der dortigen „Bürgerinitiative Zukunft“.

Vom Linneplatz führte der Zug mit nahezu 100 Demonstranten vors Werkstor an der Straße Alt-Fechenheim. „Die Schadstoffe, die dort in die Luft gehen, weht der Wind zu uns rüber,“ begründet die Stadtverordnete Rosa Kötter ihr Engagement auf Frankfurter Boden. „Es ist doch ein umweltpolitischer Anachronismus, heute noch auf verstaubte Technik zu setzen, die an DDR-Zeiten erinnere.“

Offenbacher Protest mit Fahrrad und Botschaft: Maria Böttcher, Leo Büdel und Rosa Kötter (rechts verdeckt) stehen in Fechenheim für den lokalen Unmut.

Die Mitglieder des SPD-Ortsvereins haben sich einstimmig gegen den Bau einer solchen „überholten Anlage zur Energiegewinnung“ ausgesprochen. In der konstituierenden Sitzung beschloss der Vorstand eine Resolution, die dem Unterbezirksparteitag zur Abstimmung vorgelegt wird. Darin soll die Firma nachdrücklich aufgefordert werden, vom Bau und Inbetriebnahme eines Braunkohlestaubkraftwerkes abzusehen. Arbeiter der Allessa-Chemie beurteilen den Schadstoffausstoß durch Verbrennung von Braunkohle weniger streng. Davon erzählt jedenfalls der Fechenheimer Umweltaktivist Werner Weischedel. Er habe in der Kantine der Allessa-Chemie mit Arbeitern gesprochen, die argumentierten, es sei doch alles halb so wild für den eigenen Stadtteil. „Der Dreck fliegt doch nach Offenbach und Hanau.“ Na sauber...

Rainer Ewald von der Bürgerinitiative beschleicht der Verdacht, die Vertreter der Allessa-Chemie spielten generell nicht mit offenen Karten. So habe die Firma bei der Anhörung auf dem Gelände im April erklärt, lediglich vergessen zu haben, die Bewohner vom geplanten Bau zu informieren, „den das Unternehmen als Pille-Palle bezeichnt“. Auch ansonsten sei die Informationspolitik im Werk nebulös, das noch 800 Leute beschäftigt. Beim Unfall im März, als eine Wolke giftiger Stickoxide entwich und auch über den Main schwebte, „war das Bürgertelefon außer Funktion.“

„Fatales Signal“ für klimaschädlichen Ausstoß von Kohlenstoffdioxid

Was die Allessa-Chemie als bauliche Lappalie abtut, hat der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider als „fatales Signal“ für den klimaschädlichen Ausstoß von Kohlenstoffdioxid angeführt, den auch Deutschland unbedingt senken müsse. Offensichtlich plane die Firma aus Kostengründen das jetzige Kraftwerk zu ersetzen, das mit Öl und Gas betrieben wird. Das Regierungspräsidium in Darmstadt hat inzwischen das Kohlekraftwerk genehmigt, ohne die Anwohner in das Verfahren mit einzubeziehen. Juristisch habe es keine andere Wahl gehabt, argumentiert die Behörde. Die Kapazitäten des geplanten Kraftwerks lägen unter dem Wert, der verpflichtet, die Bürger ins Boot zu nehmen.

Ein einzelner Fechenheimer würde nun klagen, erklärt Rainer Ewald. Die Bürgerinitiative sucht noch zwei weitere. Bei drei Klägern minimiere sich das Prozesskostenrisiko pro Kopf. Ein verlorener Rechtsstreit koste etwa 20.000 Euro, den Weg in die nächste Instanz noch nicht mit eingerechnet. Umweltaktivist Werner Weischedel spendet jedenfalls 5000 Euro für das Verfahren.

Etwas irritiert zeigen sich am Samstag Demonstranten („Hopp, hopp, hopp, Braunkohle stopp“), dass ein Feuerwehrwagen am Werkstor steht. Es kommt keinem in den Sinn, das Frankfurter Gelände zu stürmen – ganz im Gegensatz zur Sport-Veranstaltung am Nachmittag.

Quelle: op-online.de

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