Protestler: Immer wieder pieksen

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Frankfurt - Der Lärm im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens ist ohrenbetäubend. Es wird getrillert, getrötet und getrommelt - so demonstrieren fast 3000 Menschen am Samstagnachmittag gegen Fluglärm.

Auf den unzähligen Transparenten stehen Sätze wie „Ruhe geben wir erst, wenn wir wieder welche haben“, „Let us sleep!“ („Lasst uns schlafen“) oder „Stoppt den Wahnsinn“.

Der Frankfurter Flughafen gehört zu den insgesamt sechs deutschen größten Airports, an denen am Samstag gegen Fluglärm demonstriert wird. Viele der Demonstranten haben gelbe Schilder mitgebracht, auf denen die Namen ihrer Orte stehen: Trebur, Rodgau, Mainz, Frankfurt, Ginsheim-Gustavsburg, Wiesbaden...

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„Morgens ab fünf Uhr ist es vorbei mit schlafen. Seit der neuen Landebahn fliegen die Flugzeuge direkt über unseren Giebel“, schimpft ein Mann aus Mainz-Bretzenheim. Auf seinem gelben Helm sitzt ein Spielzeug-Gorilla mit einem Flugzeug in der Hand. Auch seine Frau hat einen fantasievollen Kopfschmuck: Ein Prinz auf einem Schimmel, der mit seinem Speer ein Flugzeug durchbohrt. Ihren Namen wollen die beiden nicht sagen. „Wir sind doch nur zwei unter vielen“, meint sie.

Dass es so viele sind, freut auch Alexandra Walker vom veranstaltenden Bündnis der Bürgerinitiativen. Es gehe aber weniger um Masse, als um die Kontinuität der Proteste, lässt sie wissen. „Wir wollen immer wieder pieksen.“ Der Pieks an diesem Samstagnachmittag ist so laut, dass sich einige Demonstranten die Ohren zuhalten. Anfangs hat sogar der erste Sprecher mit seinem Mikro Probleme, dass er bei dem Getöse und den lauten Rufen wie „Die Bahn muss weg“ überhaupt gehört wird.

„Wir werden weiter machen, bis wir unsere Ziele realisiert haben“

„Wir werden weiter machen, bis wir unsere Ziele realisiert haben“, ruft er schließlich. Dazu gehören die Schließung der umstrittenen Landebahn und ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Vom Terminal aus wollen die Demonstranten weiter zur Lufthansa-Basis ziehen.

„Sie durchlöchert jede Nacht das Flugverbot“, schimpft der Redner. Die große Werbung der Fluggesellschaft ihm gegenüber wirkt bei diesen Worten fast wie ein Hohn: „Wherever you’re going, we’re flying“ („Wo immer du hingehst, wir fliegen“).

Bilder von den bundesweiten Demonstrationen

Bundesweite Demos gegen Flughafen-Lärm

Unterdessen haben Ärzte, Politiker und Bürger aus Mainz in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr gefordert. Außerdem sollten die Kliniken in Mainz nicht mehr überflogen und die Flughöhen der auf dem Frankfurter Flughafen landenden Flugzeuge angehoben werden, schrieben sie in einer Beilage der Gesundheitsregion Rheinhessen in Zeitungen.

„Mit der aktuellen, brutalen Verlärmung gefährden wir den Genesungsprozess schwerkranker Patienten“, heißt es in dem offenen Brief, der auch von den Ministerinnen Doris Ahnen (SPD), Malu Dreyer (SPD) und Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) unterschrieben wurde.

dpa

Quelle: op-online.de

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