Prozessbeginn gegen Flughafenattentäter

Frankfurt - Es war der erste islamistische Anschlag in Deutschland: Der Täter erschoss am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei lebensgefährlich. Ein halbes Jahr später beginnt der Prozess gegen Arid Uka.

Nur eine Ladehemmung verhinderte noch größeres Blutvergießen: Mit Kopfschüssen tötete der Täter am 2. März am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten, zwei andere verletzte er lebensgefährlich. Als der 21-Jährige Arid Uka auf einen fünften Mann zielte, blockierte seine Pistole. Die Tat gilt als der erste gelungene islamistische Anschlag auf deutschem Boden - der geständige Angeklagte als Einzeltäter. Vom kommenden Mittwoch (31. August) an muss er sich vor dem Oberlandesgericht Frankfurt wegen zweifachen Mordes sowie dreifachen versuchten Mordes verantworten.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem im Kosovo geborenen Frankfurter vor, er habe die Soldaten nur deshalb töten wollen, weil sie Angehörige der US-Streitkräfte im Rahmen des ISAF-Mandats in Afghanistan waren. „Der Angeschuldigte ist ein durch dschihadistische Propaganda im Internet radikalisierter Einzeltäter“, hatte ein Sprecher der Generalbundesanwältin in Karlsruhe die Anklage vom Juli erläutert. „Es handelt sich um eine schwere staatsgefährdende Gewalttat von besonderer Bedeutung.“

Über Facebook Kontakt zu Hassprediger gehabt

Wenige Tage vor der Tat soll sich Uka den Kampfnamen „Abu Reyyan“ zugelegt und damit zumindest über das Netzwerk Facebook Kontakt zu dem mutmaßlichen Hassprediger Sheik Abdellatif und zu zahlreichen anderen Islamisten gehabt haben, hatte es nach der Tat im hessischen Innenministerium geheißen.

Am Abend vor der Tat soll der 21-Jährige laut Anklage im Internet ein dschihadistisches Propagandavideo angesehen haben - darin Szenen, in denen angeblich amerikanische Soldaten muslimische Frauen vergewaltigen. Dies habe bei ihm den Entschluss ausgelöst, am nächsten Morgen am Flughafen möglichst viele US-Soldaten zu töten, die auf dem Weg nach Afghanistan sind.

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Todesschütze jobbte bei Flughafen-Post

Er fuhr demnach zum Flughafen, den er von einem Aushilfsjob bei der Post gut kannte, und hielt nach möglichen Opfern Ausschau. Neben der Pistole trug er ein Magazin, zwölf Patronen und zwei Messer bei sich. In Halle D des Terminals 2 entdeckte er zwei Soldaten und folgte ihnen bis zum Ausgang, wo ein Bus der US-Luftstreitkräfte wartete und 16 unbewaffnete Soldaten ihr Gepäck verstauten. Uka bat um eine Zigarette und fragte nach dem Einsatzort: Afghanistan. Er wartete, bis die meisten der aus London kommenden Soldaten eingestiegen waren.

Bilder vom Tattag

Tödliche Schießerei am Frankfurter Flughafen

Dann spielte sich die Tat nach den Ermittlungen so ab: Uka schoss zunächst einem 25-Jährigen neben dem Bus von hinten in den Kopf. Anschließend stieg er in den Bus und tötete den 21-jährigen Fahrer. Mit dem Ruf „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) schoss er zwei anderen Soldaten im Alter von 21 und 25 Jahren in Kopf und Körper und verletzte sie so schwer, dass sie nur mit Notoperationen gerettet werden konnten. Einer ist seither auf einem Auge blind. Als der Attentäter auf den Kopf eines 22-Jährigen zielte und zweimal abdrückte, klemmte seine Pistole. Verfolgt von einem Soldaten flüchtete er in das Flughafengebäude und wurde dort von zwei Bundespolizisten festgenommen.

Dem Angeklagten droht lebenslange Haft. Außerdem wird in dem Prozess, für den der Staatsschutzsenat zehn Verhandlungstage angesetzt hat, die Schwere der Schuld geprüft. Das Gericht hat die verletzten Soldaten, einen psychiatrischen Sachverständigen und eine Reihe von Zeugen geladen. Mit einem Urteil wird Anfang 2012 gerechnet. Der Attentäter, der in U-Haft sitzt, ist auch in den Vereinigten Staaten angeklagt worden. Dies hat aber keine Auswirkungen auf das Verfahren des Generalbundesanwalts.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Michael Grabscheit

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