Prozess gegen Betreiber von Kinderporno-Tauschbörse

Darmstadt - Einer der mutmaßlich führenden Köpfe einer Internet-Kinderporno-Bande muss sich vor dem Darmstädter Landgericht verantworten. Der Mann soll Internet-Treffs eingerichtet haben, auf denen Pädophile kinderpornografisches Material ausgetauschen konnten.

Ende 2010 sorgte einer der bundesweit größten Kinderporno-Prozesse für Schlagzeilen. Jetzt steht nach einer Serie von Urteilen gegen mehr als ein halbes Dutzend Pädophile ein weiterer Verdächtiger vor dem Darmstädter Landgericht. Der 34-Jährige aus dem südhessischen Reinheim sei einer der führenden Köpfe einer Internet-Kinderporno-Bande, warf ihm die Staatsanwaltschaft heute vor.

Der Mann soll unter anderem zwischen 2008 und 2011 im Internet mehrere streng abgesicherte Internet-Treffs eingerichtet und betrieben haben. Dort konnten Pädophile kinderpornografisches Material tauschen. Außerdem soll er laut Anklage „zu schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern Hilfe geleistet“ und Männer „zum Missbrauch von Kindern bestimmt“ haben, sagte Oberstaatsanwalt Andreas May.

Kein umfassendes Geständnis

Der Angeklagte erklärte vor Gericht, er habe sich die Bilder als Administrator zwar angeschaut und gespeichert. Sexuell hätten sie ihn aber nicht interessiert. Ein umfassendes Geständnis legte der Mann nicht ab. Die Internet-Treffs sollen „ausschließlich dem Zweck des Austauschs möglichst vieler und aktueller“ kinderpornografischer Dateien gedient haben, heißt es in der 150 Seiten starken Anklageschrift weiter.

Um Mitglied in einigen der internationalen Internet-Treffs werden zu können, hatten Männer laut Anklageschrift unter anderem Missbrauchsbilder selbst herstellen müssen. Die Aktualität der Fotos hätten sie nach Vorgaben des Angeklagten beweisen müssen. Der 34-Jährige war 2011 gefasst worden.

Mehrjährige Bewährungs- und Haftstrafen

Neun weitere Mitglieder der Bande hatten sich bereits 2010 vor Gericht verantworten müssen. Sie waren zu mehrjährigen Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt worden. Dem Angeklagte waren die Ermittler unter anderem auf die Spur gekommen, weil er in den Internet-Treffs persönliche Angaben gemacht hatte.

Bei einer Durchsuchung waren bei ihm mehr als 1000 Dateien mit kinderpornografischem Material gefunden worden. Für den Prozess sind bislang noch vier Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt.

dpa

Quelle: op-online.de

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