Prozessauftakt in Darmstadt

Prozess gegen Automaten-Sprenger: Täter gesteht

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Darmstadt - 35 gesprengte Fahrscheinautomaten innerhalb von fünf Monaten - das hat eindeutig Potenzial für einen Fernsehkrimi. Die erste Assoziation, die einem dabei durch den Kopf schießt: Hier war eine Bande am Werk. Weit gefehlt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Der Täter war bei seiner explosiven Bahnsteig-Serie mutterseelenallein. Vor der Justiz hat der 33-jährige Thüringer, ein ehemaliger Fremdenlegionär und abgebrochener Chemie-Student, nun den erfahrenen Strafverteidiger Andreas Sanders an seiner Seite: Seit gestern muss sich Remo T. vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

T.s Beute: 31.730 Euro. Der entstandene Schaden für die Deutsche Bahn: mindestens 790.000 Euro. Das nur zwei Prozesstage für die Beweisaufnahme ausreichen sollen, ist dem umfassenden Geständnis des nicht vorbestraften jungen Mannes zu verdanken, allein gestern gingen für seine Aussage mehrere Stunden ins Land. Richterin Cornelia Hartmann-Grimm will alles sehr genau wissen, der intelligente T. breitet ausführlich und bereitwillig seine Lebens- und Straftatgeschichte vor der Kammer aus.

Die 35 Automaten verteilen sich auf fünf Bundesländer: 19 in Hessen (Medenbach, Altenstadt, Bickenbach, Maintal-West und -Ost, Mainkur, Dreieich-Sprendlingen und -Götzenhain, Dieburg-Münster, Mühltal, Eberstadt, Mainhausen-Zellhausen, Arfurt, Lichtwiese, Bad Salzhausen, Eschersheim, Kirchgöns, Babenhausen, Friedhausen), fünf in Thüringen, zwei in Sachsen, vier in Bayern und fünf in Rheinland-Pfalz.

Aktionen dauerten maximal fünf Minuten

Der Tatzeitraum spannt sich vom 7. März bis zum 14. August 2013, die Planung der Einbrüche wurde von T. akribisch bis ins letzte Detail im Internet geplant. Pikant: Der Thüringer behauptet, die technische Anleitung zur erfolgreichen Sprengung sei von der Polizei selbst ins Netz gestellt worden. Auch die Automatenstandorte - allesamt abgelegen und zwischen zwei und fünf Uhr morgens menschenleer - hat er am Schreibtisch recherchiert. Die wenigsten der betroffenen Bahnsteige waren videoüberwacht. T. kleidete sich inklusive Baseballcap und Handschuhen komplett in schwarz. Für die Flucht in die Dunkelheit trug er eine Stirnlampe.

Maximal fünf Minuten dauerten die jeweiligen Aktionen, welche alle nach dem gleichen Schema funktionierten: Zuerst klebte T. sämtliche Öffnungen des Automaten zu - bis auf die des Fahrscheinausgabeschachts. Dort führte er einen Schlauch mit angeschlossener Campinggaskartusche hinein, ließ das Gas in die Innenräume des 30.000 Euro teuren Automaten entweichen, steckte einen petroleumgetränkten Lappen hinzu und zündete diesen an.

In den allermeisten Fälle flog dann die Automatentür auf - allerdings immer an der Scharnierseite, nicht an der Verriegelung. Jetzt brauchte der talentierte Ganove nur noch die Geldkassetten ausräumen, waren diese nochmal verriegelt, half er mit der Brechstange nach. Nächsten Montag wird das Urteil erwartet.

Quelle: op-online.de

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