Prozess gegen angeblich Vergewaltigte

Heidi K. ist voll schuldfähig

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Die Angeklagte (am 25. April im Landgericht Darmstadt) soll mit einer Falschaussage einen früheren Kollegen für fünf Jahre hinter Gitter gebracht haben.

Darmstadt - Mit Spannung wurde der gestrige Verhandlungstag am Landgericht Darmstadt gegen die ehemalige Lehrerin Heidi K. erwartet. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Um halb zehn begann dieser mit einer Enttäuschung: Die Angeklagte, die derzeit in Ostwestfalen lebt und zu den Prozesstagen pendelt, verspätete sich. Die Sitzung verschob sich um knapp zwei Stunden. Auf der Tagesordnung stehen zwei weitere Zeugen und die Aussage von Professor Norbert Leygraf. Der renommierte Essener Gerichtspsychiater ist bekannt durch seine Gutachten im NSU- und Gäfgen-Prozess. Nun soll er Licht ins Dunkel der mutmaßlich erfundenen Vergewaltigung an einer Reichelsheimer Schule bringen, die für K.s Lehrerkollegen Horst A. fünf Jahre Haft bedeutete. A., der stets seine Unschuld beteuerte, wurde 2011 in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

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Zweieinhalb Stunden hat Leygraf die Lehrerin am 22. März diesen Jahres durchleuchtet, nachdem sie polizeilich vorgeführt werden musste. Der Psychiater: „Sie war freundlich, zugewandt und suchte mit mir immer wieder den Schulterschluss. Sie wollte wohl keine Dissonanzen.“ Mit dramatischen Worten, aber ruhiger Stimme habe K. ihren psychischen Zustand geschildert. K.s Berichte über tragische Ereignisse, die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen, stehen in krassem Gegensatz zu der völlig fehlenden Emotionalität. Kernaufgabe des Gutachters ist die Beurteilung ihrer Schuldfähigkeit. Das Problem: Niemand weiß, wie die Wahrheit aussieht und Leygraf muss hypothetisch davon ausgehen, dass K. gelogen hat, und die Zeugenaussagen der Wahrheit entsprechen.

Auf dieser Grundlage ist sein Ergebnis eindeutig: K. leide nicht an einer psychiatrischen Erkrankung, sondern an einer ausgeprägten histrionischen Persönlichkeitsstörung. Sie sei ausgesprochen egozentrisch, habe ein starkes Bedürfnis, sich als ganz besondere Person darzustellen. Um das zu erreichen erfinde sie immer neue dramatische Scheinwelten, die ihr Anerkennung verschaffen sollen. „Das Unrechtsbewusstsein ist durch diese Störung aber keineswegs beeinträchtigt,“ so der Fachmann. „Den Tatablauf, die gezielte Vergewaltigungsbehauptung, hätte sie jederzeit ändern können.“ Fazit: Heidi K. sei in vollem Umfang schuldfähig. Die 15. Strafkammer hat vier weitere Verhandlungstermine geplant, das Urteil wird im September erwartet.

Quelle: op-online.de

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