Prozess in Limburg

Tödliche Geisterfahrt: Lebenslange Haft wegen Mordes

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Das Autowrack, in dem die 21-Jährige saß.

Limburg - Eine junge Frau stirbt auf einer Bundesstraße, weil ihr Auto frontal vom Wagen eines Geisterfahrers gerammt wird. Das Landgericht Limburg wertet die Tat des 45-jährigen Freigängers als Mord - und sieht eine Mitschuld bei Justiz und Polizei.

Während seiner Flucht vor einer Polizeikontrolle hat ein 45-Jähriger als Geisterfahrer einen tödlichen Unfall verursacht. Das Landgericht Limburg hat die Tat am Freitag als Mord gewertet und den damaligen Freigänger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Richter übte in seiner Begründung auch Kritik an der Justizvollzugsanstalt in Diez (Rheinland-Pfalz): Dem Häftling hätte kein offener Vollzug gewährt werden dürfen. Der Staatsanwalt kündigte Ermittlungen gegen das Gefängnis an. Die Anklage hatte in ihren Plädoyers beantragt, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausschließen würde. Dies wies der Richter wegen einer möglichen staatlichen Mitverantwortung zurück. Auch die Verfolgungsfahrt der Polizeibeamten sei "unverhältnismäßig" gewesen, erklärte er. Die Aussage des Angeklagten, er habe die ganze Zeit über Blaulicht hinter sich gesehen, werde von Zeugen gestützt. Die davon abweichenden Angaben eines Autobahnpolizisten wertete die Kammer als vorsätzliche Falschaussage.

Vor dem Unfall war der Freigänger mit gestohlenen Nummernschildern an seinem Auto und ohne Führerschein unterwegs, als ihn eine Streife stoppen wollte. Daraufhin wendete der 45-Jährige und bog in falscher Richtung auf die Bundesstraße 49 ab. Dort raste er gegen den Kleinwagen einer 21-Jährigen, die Frau starb im Krankenhaus. Der Angeklagte aus dem Raum Neuwied in Rheinland-Pfalz war bereits wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt worden und verbüßte deswegen eine Haftstrafe. Er habe das Risiko einer Geisterfahrt in Kauf genommen, um die Vorzüge des offenen Vollzugs nicht zu verlieren, erklärte der Richter. Das Argument des Angeklagten, er sei aus großer Angst heraus in den Gegenverkehr geraten, ließ er nicht gelten: "Wer eine solche Flucht unternimmt, zeigt Nervenstärke und keine Panik."

dpa

Quelle: op-online.de

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