Hilfe für bedrängte Frau mit dem Leben bezahlt

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Fall Okoronkwo Langen: Ab heute steht der Täter vor Gericht

Frankfurt/Langen - Natürlich werden sich viele auch an Dominik Brunner erinnern, wenn Emeka Okoronkwos Akte heute im Frankfurter Landgericht geöffnet wird. Denn beide, Brunner und der aus Langen stammende junge Afrikaner, haben ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt.

Während der eine seinem Mörder in München an einer S-Bahn-Station begegnete, verblutete der andere im vergangenen Mai nach einem Handgemenge im Frankfurter Bahnhofsviertel. Beide hatten sich in einen Streit eingemischt, um ihnen unbekannten Menschen zu helfen.

Rund neun Monate nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters im Fall Okoronkwo beginnt nun der Prozess um die Bluttat. Erinnert sich Arnold Tomaschek an seinen nigerianischen Schüler, nimmt er Wörter wie „fröhlich“, „lustig“ und „nett“ in den Mund. Okoronkwos Ziel sei klar gewesen, erinnert sich der Geschäftsführer des Kolpinghauses in Frankfurt, in dem Emeka zuletzt gewohnt hatte: Koch wollte der junge Afrikaner werden. Um wie ein Profi am Herd zu stehen, ließ er sich zum Restaurantfachmann ausbilden. Emeka, 1988 in der nigerianischen Stadt Ahoado geboren, sei keinesfalls ein Schläger-Typ oder gar gefährlich gewesen. Er habe weder Alkohol getrunken noch geraucht oder Drogen genommen. Außerdem besuchte der Nigerianer einen Kurs als Streitschlichter, um bei Konflikten zu vermitteln und sich nicht provozieren zu lassen, erzählt Tomaschek.

Einer der Männer spuckt ihm ins Gesicht

Auch Frank Goldberg, der Leiter des Frankfurter Präventionsrats, wird den Prozess aufmerksam verfolgen. Sein Rat an Streitschlichter wie Okoronkwo: „Nicht die Täter dürfen interessieren, sondern die Opfer.“ In einer Situation wie an jenem blutigen Sonntagmorgen wäre es wichtig gewesen, eine Öffentlichkeit herzustellen, Hilfe zu holen - oder das Opfer einfach vom Ort weg zu begleiten. Oft sei die gemeinsame Flucht vor der Gefahr die größere Zivilcourage. „Um Gottes Willen nicht mit körperlicher Gewalt reagieren“, empfielt Goldberg. „Wir brauchen kein zusätzliches Opfer.“

Okoronkwo entschied sich an jenem verhängnisvollen Mai-Morgen gegen die Flucht. Nach seinem Abschied aus einem Salsa-Club kommt er gegen 6.40 Uhr auf der Münchener Straße mit zwei Frauen ins Gespräch. Die damals 29-jährige Deutsche und ihre 43 Jahre alte deutsche Freundin haben zuvor auch in der bekannten Disco getanzt. Zwei Eritreer, die zufällig vorbeikommen, machen die Frauen an, die Jüngere wehrt sich, wird angespuckt. Da mischt sich Emeka ein, einer der beiden Männer spuckt auch ihm ins Gesicht. Im Gerangel der drei Männer sticht ein heute 35-Jähriger dem jungen Okoronkwo ins Herz. Der sackt zusammen, kämpft im Krankenhaus noch wenige Stunden um sein Leben - und stirbt.

„Er stellt sie aber als Notwehr dar“

Vier Tage später wird der 35-Jährige festgenommen. Er gesteht zwar die Tat. „Er stellt sie aber als Notwehr dar“, sagt Doris Möller- Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sein Begleiter sei vom späteren Opfer geschlagen worden, behauptet er. Die Staatsanwaltschaft geht von einem bedingten Vorsatz aus. Vor Gericht soll an sechs Tagen verhandelt werden.

Während Brunners Tod im September 2009 und der Prozess gegen seinen Mörder bundesweit für enormes Aufsehen sorgten, ist der gewaltsame Tod Okoronkwos nur wenigen Menschen außerhalb Frankfurts bekannt.

dpa

Quelle: op-online.de

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