Gerichtsverhandlung gegen Wolf muss verschoben werden

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Thomas Wolf vor gericht.

Frankfurt/Wiesbaden - Der Ausbrecherkönig Thomas Wolf hat in der Untersuchungshaft einen Schwächeanfall erlitten. Die für heute angesetzte Verhandlung gegen den 58-Jährigen wegen Entführung und zweifachen Bankraubs vor dem Wiesbadener Landgericht musste deshalb um eine Woche verschoben werden.

Wolfs Anwalt Joachim Bremer sagte, Wolf sei in einer Zelle im Gerichtsgebäude gestürzt. Grund sei seine Borreliose-Infektion. Auch wegen starker Kopfschmerzen wurde ein Arzt gerufen. Wolf erhielt Medikamente und wurde mit zweistündiger Verspätung in den Gerichtssaal geführt.

Zwei Sachverständige erklärten ihn für verhandlungsfähig, doch Wolf sagte, er könne das Manuskript mit seiner Aussage nicht wie geplant vorlesen. „Ich habe Probleme mit den Augen, ich kann keinen Text lesen.“ Ein Vorschlag des Vorsitzenden Richters Jürgen Bonk, der Verteidiger könne das rund 100seitige Manuskript vorlesen, wurde abgelehnt.

Es sei mit zu vielen handschriftlichen Anmerkungen versehen, sagte Wolf. Wolf kritisierte vor Gericht erneut, er werde in der Berichterstattung über den Prozess falsch dargestellt.

„Respektlos und ein bisschen schäbig“

Seine Krankheit werde „in hämischer Art und Weise“ kommentiert. Auch der Nebenklage warf er vor, seine Krankheit nicht ernst zu nehmen. Dies halte er „für respektlos und ein bisschen schäbig“ gegenüber „den tausenden Menschen, die mit Borreliose jeden Tag zu tun haben“.

Er ziehe keine Show ab und jammere nicht, sondern habe ernsthafte Beschwerden, die in Schüben kämen und nicht vorhersehbar seien. Dafür müsse man „auch mal Verständnis aufbringen“, sagte Wolf. „Ich bin sehr diszipliniert, ich reiße mich zusammen.“

Der Anwalt der Nebenklägerin, Marcus Traut, nannte Wolfs Erklärung unglaubwürdig. Wolf sei verhandlungsfähig, das sei von Gutachtern bestätigt. Traut warf dem Angeklagten Prozessverschleppung vor.

Am Freitag hatte Wolf in dem Prozess seine Taten gestanden und sich beim Entführungsopfer, der 44-jährigen Nebenklägerin, entschuldigt. Die Frau eines Bankangestellten war vor zwei Jahren etwa zwölf Stunden lang in Wolfs Gewalt.

Er erpresste von ihrem Mann rund 1,8 Millionen Euro. Wolf, dem in der Vergangenheit schon viermal die Flucht vor der Justiz gelang, hatte eine umfassende Aussage angekündigt, die am Mittwoch eigentlich fortgesetzt werden sollte. Er wird im Gerichtssaal scharf bewacht, ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

dpa

Quelle: op-online.de

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