Uterus wider Willen entfernt

Frankfurt - Versuchte Abtreibung und schwere Körperverletzung werden seit heute vor dem Landgericht Frankfurt drei Mitgliedern einer aus Marokko stammenden Familie im Prozess vorgeworfen.

Der 32 Jahre alte Hauptangeklagte soll dabei seine zwei Jahre jüngere Ehefrau zur Sterilisation gezwungen haben, nachdem sie bereits zwei Kinder gegen seinen Willen zur Welt gebracht hatte, heißt es in der Anklageschrift. Zuvor habe er die hochschwangere Frau erheblich misshandelt, um die Niederkunft zu verhindern.

Mutter und Schwester halfen bei Misshandlung

Bei dieser Tat halfen laut Anklage auch die 70 Jahre alte Mutter und die 42 Jahre alte Schwester, die zu Beginn des Prozesses ebenfalls auf der Anklagebank saßen. Das Verfahren gegen die Mutter wurde jedoch bis zur Klärung ihrer Verhandlungsfähigkeit abgetrennt. Alle drei Angeklagten hatten nach Verlesung der Anklageschrift die Aussage verweigert. Während die beiden verbliebenen Angeklagten damit teilnahmslos die Verhandlung verfolgten, bestätigte die als Nebenklägerin vor Gericht vertretene, mittlerweile geschiedene Ehefrau die Vorwürfe der Anklage. „Ich habe bei denen in fast zehn Jahren keinen schönen Tag erlebt“, sagte die zierliche Marokkanerin, die ebenso wie die mitangeklagte Ex-Schwägerin mit Kopftuch vor Gericht erschienen war, am Anfang ihrer mehrstündigen Vernehmung.

Gebährmutter wider den Willen des Opfers entfernt

Sie habe im Tatzeitraum zwischen 2004 und 2006 noch sehr unzureichend Deutsch gesprochen und sei von der Familie ihres Mannes unter dem Vorwand zum Frauenarzt mitgenommen worden, dort eine Spirale gesetzt zu bekommen, um weitere Schwangerschaften zu verhindern. Dabei habe der Ehemann ihre Anweisungen und Fragen dem Mediziner bewusst falsch übersetzt. Erst nachdem sie die Operationsnarbe gesehen und sich mit ihrer eigenen Mutter besprochen habe, sei ihr klar geworden: „Die haben meine Gebärmutter entfernt“. In der Familie der Angeklagten habe sich der Ehemann stets seiner dominanten Mutter und der Schwester unterordnen müssen. Dabei sei sie immer wieder von allen Dreien misshandelt worden. Nach ihrer Flucht kam sie in einem Frauenhaus unter. Später zeigte sie die Angeklagten an, „weil dies mein Recht ist“, wie sie vor Gericht aussagte. Der Prozess wird fortgesetzt.

dpa

Quelle: op-online.de

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