„Soy de Cuba“ in Frankfurter Musentempel

Pure Lebensfreude

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Endlich vereint: Mario (Dieser Serrano) und Ayala (Yanetsy Ayala Morejon) 

Frankfurt - Karibische Rhythmen, leidenschaftlicher Tanz und knisternde Erotik: Das Musical „Soy de Cuba“ begeisterte in der Alten Oper. Von Maren Cornils 

Die Story an sich ist ein wenig abgegriffen: Hübscher, talentierter Tanz-Elevin gelingt gegen alle Widrigkeiten der Aufstieg zum umjubelten Star. Schon Jennifer Beals brachte der nach diesem Muster aufgebaute Tanzfilm „Flashdance“ 1983 den Durchbruch. Nun darf im Musical „Soy de Cuba“ („Ich bin aus Kuba“) Tabakpflückerin Ayala beweisen, was in ihr steckt – und das zu allerlei heißen karibischen Rhythmen, denn das Musical aus der Feder von Rembert Egues weiß, was es dem Latino-begeisterten deutschen Publikum schuldig ist.

Mit 14 Tänzerinnen und Tänzern, einer fünfköpfigen Band, einem Erzähler und zwei Sängern wartet „Soy de Cuba“ auf, ein Tanz- und Musikspektakel, das feurige Salsa-, Merengue- und Mamboklänge mit toll choreografierten Tanzeinlagen verbindet.

Egues, Komponist und musikalischer Leiter, erzählt von Ayala (Yanetsy Ayala Morejon), die auf einer Tabakfarm aufwächst und davon träumt, Tänzerin zu werden. Getreu ihrem Motto, „Vive tus suenos“, „Lebe Deine Träume“, geht sie nach Havanna und verdingt sich dort im Kabarett „Soy de Cuba“ – allerdings nicht, wie erhofft, als Tänzerin, sondern als einfache Bedienung.

Der berühmten Tanzkompagnie um Choreograf Mario (Dieser Serrano) und Lola (Cheyla Castellon Jimenez) kann Ayala daher nur von Ferne zuschauen. Doch das Märchen von der Bardame, die zur Primadonna wird, wäre kein Märchen, würde Ayala nicht ihren Traum in die Tat umsetzen und sich zum Star der Formation entwickeln. Dass sie dabei das Herz des schönen Mario im Sturm erobert, versteht sich von selbst. Allerdings hat Ayala nicht mit der zickigen Diva Lola gerechnet, die keine Konkurrenz duldet und dem Dorfmädchen das Leben schwer macht.

Danais Menendez brilliert mit toller Stimme

Aus einer einfachen, klischeehaften Story strickt Egues ein effektreiches Tanz-Feuerwerk, das ganz auf seine brillanten Akteure und die tolle Stimme von Sängerin Danais Menendez setzt, die in ruhigen Nummern wie „Quizas manana“ oder „Por la Calle Obispo“ glänzen darf. Doch nicht nur

den Ohren, auch den Augen wird viel geboten: In immer neuen Figuren wirbeln die nur mit knappen Shorts und winzigen Röckchen bekleideten Tänzerinnen über die Bühne, werden von muskelbepackten Tänzern in die Höhe gestemmt, um sich dann lasziv um die Beine ihres Partners zu wickeln. Mambo reiht sich an Rumba, Cha-Cha-Cha an Merengue, aggressiver Reggaetón an betörende Salsa. Und spätestens, wenn die Musiker zum wilden Trommel-Inferno ansetzen, kocht der Saal gewaltig.

Bis Mario seine Ayala in die Arme schließen und zum Rhythmus von „Pore l’amor“ von der Bühne führen kann, dauert es zwar. Langweilig aber wird es in „Soy de Cuba“ nie. Zu den Höhepunkten einer vor Lebensfreude sprühenden Show zählt der an den Carlos-Saura-Film „Flamenco“ erinnernde Auftritt im Patio der „Calle Obispo“, in dem Lola und Ayala gegeneinander antreten und mit wildem Kastagnetten-Geklapper und rhythmischem Stampfen ihr Revier markieren.

Während die männlichen Zuschauer sich an schwingenden Hüften sowie an den immer wieder auf der Leinwand eingeblendeten Havanna-Ansichten mit schmucken Oldtimern erfreuen dürfen, erntet Erlan Castro Ribalta für seinen kleinen Strip am Ende der ersten Halbzeit vor allem Applaus vom weiblichen Publikum.

„Soy de Cuba“ gastiert am 11. Januar 2016 erneut in der Alten Oper.

Quelle: op-online.de

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