Qualität in Bus und Bahn zahlt sich aus

Mit dem RMV-Kontrolleur unterwegs

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Am Busbahnhof von Hanau überprüft Thomas Mühlbauer den Fahrplan. Mühlbauer ist als „Qualitätserheber“ für den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im Einsatz.

Frankfurt - Wenn Thomas Mühlbauer (41) Bus fährt, geht er automatisch im Kopf seine Checkliste durch, auch wenn er nicht im Dienst ist. Von Sabine Ränsch

Ist der Schwarzfahrer-Aufkleber da, gibt es Mülleimer, sind die Sitze in Ordnung, ist alles sauber? „In der letzten Reihe sieht’s oft nicht am besten aus“, weiß Mühlbauer aus jahrelanger Erfahrung als einer von 45 „Qualitätserhebern“ beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Auf einer Fahrt mit der Linie 560 zwischen Frankfurt und Hanau befragt er Fahrgäste nach ihrer Zufriedenheit mit Pünktlichkeit, Komfort und Sauberkeit. Unter dem Strich gibt es ganz ordentliche Noten - eine 72-Jährige findet nur die Bequemlichkeit im Bus nicht optimal, sonst ist sie voll zufrieden. Über 1000 Buslinien sind für den RMV unterwegs.

Die Qualitätskontrolle dient nicht nur dem Servicegedanken, sondern kann für die überprüften Unternehmen finanzielle Folgen haben - gute wie schlechte. Der RMV schließe dazu mit den Verkehrsfirmen „Bonus-Malus-Verträge“ ab, sagt RMV-Sprecher Sven Hirschler. Grundlage ist die vertraglich vereinbarte Qualität. Wenn die nicht stimmt, wenn viele Züge und Busse verspätet sind oder ausfallen, werden Strafzahlungen fällig. Das betrifft unter anderem die Deutsche Bahn (DB), die für den S-Bahnbetrieb im Rhein-Main-Gebiet verantwortlich ist. Verspätungen und Ausfälle summieren sich für die Bahn auf einen siebenstelligen Betrag. Als Verspätung zählt jede Fahrt, die mehr als 5 Minuten 59 Sekunden später als geplant abfährt.

„Jeder Cent tut uns weh“, sagt Bahn-Sprecher Thomas Bischoff. Die genaue Höhe der Strafzahlung will er nicht nennen. Besonders auffällig sind Probleme im S-Bahnverkehr - jeder zehnte Zug ist sechs Minuten und mehr verspätet. Verspätungen sind aus Sicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zwar ärgerlich, aber nicht das Hauptproblem. „Wichtiger ist die Anschlusssicherheit“, sagt Daniel Sidiani vom hessischen VCD-Landesverband. Dazu sei eine bessere Zusammenarbeit der einzelnen Verkehrsunternehmen nötig. Im Ballungsraum Rhein-Main müsse dringend eine Ringverbindung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) her.

Mit zusätzlichem Personal versucht die Bahn in Frankfurt jetzt, zumindest beim Einsteigen in der Rushhour Zeit zu sparen. In der Regel sei rund eine Minute Halt für die S-Bahnen eingeplant, sagt Bischoff. Das klappt im Berufsverkehr nicht immer. „Fahrgastlenker“ in orangenen Westen sollen im Hauptbahnhof Fahrgäste dazu bringen, alle Türen zu benutzen, damit das Einsteigen schneller geht. Auch sollen sie Eilige davon abhalten, sich noch schnell in schließende Türen zu zwängen und den Zug so aufzuhalten.

Bonuszahlungen für besonders gute Qualität gab es im vergangenen Jahr auch - nach Angaben von RMV-Sprecher Hirschler im unteren sechsstelligen Bereich. Mit dem Geld aus den Strafzahlungen sei im vergangenen Jahr der komplette Ersatzverkehr während der Sperrung des S-Bahntunnels unter der Frankfurter City in den Sommerferien bezahlt worden.

Zusammen mit deutlich verstärkten Fahrscheinkontrollen soll das Bonus-Malus-System helfen, das chronische Defizit des RMV etwas zu lindern. Nur rund 56 Prozent seiner Ausgaben nimmt der Verbund mit dem Fahrkartenverkauf ein. 

dpa

Quelle: op-online.de

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