Kammermusik in der Alten Oper

Vier Musikerinnen entstauben das klassische Repertoire

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Erschufen einen musikalischen Zoo: Angelika Bachmann, Iris Siegfried, Sonja Lena Schmid und Anne-Monika von Twardowski  

Frankfurt - „Salut Salon“ hat mit dem unterhaltsamen Zugriff auf die sogenannte E-Musik beträchtlichen Erfolg – und kommt mit einem neuen Album im Gepäck nach Frankfurt. Von Julia Radgen

Wenn bei „Salut Salon“ die Tiere Karneval feiern, befinden sich Hühner, Schafe und sogar eine Leuchtqualle unter der Gästeschar. Mit seinem aktuellen Programm wagt sich das kammermusikalische Quartett erstmals an einen programmatischen Abend – und kommt damit am Fastnachtsdienstag in die Alte Oper Frankfurt. An Karneval ist bekanntlich alles erlaubt. Nach diesem Motto haben auch „Salut Salon“ ihr neuestes Programm erstellt. „Ein Karneval der Tiere und andere Phantasien“ nennen die vier Musikerinnen aus Hamburg ihr Werk. „Wir hatten Lust auf etwas Neues und wollten uns ausprobieren“, sagt Mitbegründerin Angelika Bachmann. Und das merkt man: Treffen darin die Klassiker aus dem „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns wie der majestätische Löwe, die Halb-Esel und die Schildkröten auf zeitgenössische Gefährten wie John Williams’ „Der weiße Hai“ und Schlange Kaa aus Disneys „Dschungelbuch“. Für den musikalischen Abend aus dem Tierreich kramten die Hamburgerinnen in der Musikgeschichte und wurden fündig: bei Johann Sebastian Bach, Jacques Ibert und Astor Piazzolla, dem Begründer des Tango Nuevo. Auch afrikanische und chinesische Musik inspirierte Bühnenprogramm und Album. „Das war die spannendste Phase, erstmal war theoretisch alles möglich“, erinnert sich Bachmann.

Die Arrangements und Moderationen für ihre Bühnenshow schreiben die vier selbst. So arrangierten sie auch Charles Aznavours „Les Deux Guitares“ neu. Neben Bachmann an der Geige und Iris Siegfried (Geige und Gesang), die das Ensemble 2002 gründeten, bilden heute Sonja Lena Schmid am Cello und Anne-Monika von Twardowski Salut Salon. Sie alle musizieren seit Kindertagen, haben klassische Musikausbildungen und beeindruckende Lebensläufe. Die Klassik und sich selbst nehmen die vier Damen nicht ganz so ernst. Dafür sind „Salut Salon“ bekannt: Sie mischen Kammermusik mit Chanson, Pop, Tango und Filmmusik ohne Berührungsängste. Auf der Bühne präsentieren sie ihre Musik mit Witzen, Schauspieleinlagen und – passend zum Karneval – auch mal kostümiert oder lautmalerisch: Beim Danse Macabre hört man förmlich die Untoten aus den Särgen steigen, wenn eine Bogenstange über die Geige kratzt.

Die Musikerinnen haben sichtlich Spaß dabei, brechen auch mal spontan in Gelächter aus. Doch zum Klamauk verkommt ihr Konzert nie. Und den Spagat zwischen „U“ und „E“ schaffen sie gleich in mehrfacher Hinsicht. Auf ein ausgelassenes Stück folgt ein emotionaler, tief verinnerlichter Chanson. Unbedingt sehenswert sind auch die akrobatischen Einlagen der Musikerinnen, die das Tempo bei Saint-Saëns’ Presto furioso derart heftig anziehen, dass dabei nicht selten eine Saite reißt. Beeindrucken lassen sie sich davon keineswegs. Mit routinierter Handbewegung wird die Saite abgezupft – und weiter geht die rasante Jagd. „Die Musik muss einfach Spaß machen“, betont Bachmann. Und das weiß besonders ein Publikum zu schätzen, das sonst keine klassischen Konzerte besucht.

Am Fastnachtsdienstag, 9. Februar, um 20 Uhr spielen Salut Salon in der Alten Oper Frankfurt. Karten ab 44,50 Euro unter 069/1340400, bereits am heutigen Freitag erscheint ihr neues Album „Carnival Fantasy“.

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Quelle: op-online.de

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