Morgen drei Stunden pralles Programm

Queen in Frankfurt: Ihre Majestät winkt vom Balkon

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Noch ist es nur ein Miniaturmodell von Elizabeth II., das den Römerberg ziert. Am Donnerstagmittag kommt die Königin aber tatsächlich nach Frankfurt.

Frankfurt - Die Queen kommt zum ersten Mal nach Frankfurt. Am morgigen Donnerstag können Royalisten ihrem Idol ganz nahe sein. Hinter den Kulissen wird ihr rund dreistündiger Besuch schon seit Monaten akribisch vorbereitet. Auch die Einzelhändler sind gewappnet. Von Paddy Bauer, Ira Schaible und Sabine Börchers

Britische Flaggen, aufblasbare Kronen, Wimpel-Ketten und Winke-Königin: Das Reiseutensilien-Geschäft „Gate 05“ im Frankfurter Norden ist schon seit Tagen auf den ersten Besuch der britischen Königin in Frankfurt eingestellt. „Besonders die winkende Solar-Queen finden viele Leute toll“, sagt Verkäuferin Anja Böttger. „Wir freuen uns auf den Besuch und werden natürlich auch winkend am Römer stehen.“ Denn: „Ein Queen-Besuch ist ja wirklich nichts Alltägliches.“ Vor allem Frankfurter Monarchie-Fans decken sich in dem Geschäft ein. Wenn Elizabeth II. gegen 12.30 Uhr von der Paulskirche über den roten Teppich ins Rathaus Römer geht, werden die Touristen-Shops zumindest mit britischen Flaggen ausgerüstet sein, versichern Rakesh Oberoi von „Oberoi Souvenirs“ und Thomas Pfeilschmidt vom „Kiosk am Römerberg“. „Flaggen habe ich immer da, und zusätzliche Artikel werde ich nicht anbieten“, sagt Pfeilschmidt. Noch interessieren sich seine Kunden – Touristen aus aller Welt – vor allem für Deutschland-Trikots. Oberoi freut sich auf den Besuch des britischen Staatsoberhaupts. Die Nachfrage nach Queen-Artikeln war aber bislang eher mau.

Durchschnittlich 1,68 Tage halten sich Touristen der Statistik nach am Main auf. Daran ändert auch der Queen-Besuch nichts. Es gebe weder mehr Hotelbuchungen noch mehr Anfragen nach Zimmern, heißt es bei der Tourismus und Congress GmbH. Mit zahlreichen Tagestouristen sei am Donnerstag allerdings schon zu rechnen. Bei Thomas Scheben vom Presse- und Informationsamt der Stadt haben bereits Queen-Fans aus Hamburg und Düsseldorf angerufen, die Ihre Majestät in Frankfurt live sehen wollen. Der Zeitplan der Visite ist eng getaktet. Die Monarchin ist seit gestern Abend in Berlin, wo sie heute unter anderem eine Spreefahrt unternimmt.

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Aus Berlin kommend, landet morgen um die Mittagszeit die Maschine mit dem Königspaar sowie Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt am Frankfurter Flughafen, kurz darauf ist die Vorfahrt der Kolonne vor der Paulskirche geplant. Dass Elizabeth II. standesgemäß in einer rechts gelenkten englischen Limousine aus ihrer Heimat vorfährt, versteht sich von selbst. Weil die dreitägige Visite ein Staatsbesuch ist, gebühren ihr höchste protokollarische Ehren – auch die Begleitung durch 15 Motorradfahrer der hessischen Polizei.

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Begrüßt wird sie von Ministerpräsident Volker Bouffier und Oberbürgermeister Peter Feldmann. Gemeinsam geht es hinein in die Paulskirche zu einer kurzen Besichtigung der Geburtsstätte der deutschen Demokratie. Die Queen und Prinz Philip treffen dort etwa 120 Frankfurter Bürger, die sich in Sozialarbeit, Sport oder Kunst engagieren. Am dichtesten kommen Bewunderer an sie heran, wenn sie danach auf dem roten Teppich über den Römerberg geht. Ob sie dabei die eine oder andere bürgerliche Hand schüttelt, das zählt zu den Fragen, auf die selbst ein Protokollchef und die Sicherheitsbeamten vorab nie eine Antwort wissen.

Auf dem roten Teppich in die Römerhalle

Das Rathaus betritt die Königin, die dieses Jahr ihren 89. Geburtstag feiern konnte, schließlich nicht etwa durch die vor wenigen Jahren eingebaute moderne Eingangstür. Vielmehr schreitet sie auf dem roten Teppich durch die beiden weit repräsentativeren, original erhaltenen Eichentüren in die Römerhalle. Der Aufzug bringt die Besucher in den ersten Stock.

Im Rathaus wurden die rund drei Stunden seit Monaten akribisch vorbereitet. Dabei ging es nicht nur um Sicherheitsfragen und das Dreigängemenü, sondern vor allem um die Goldene Bulle. Sie muss aus dem Panzerschrank im Institut für Stadtgeschichte in die benachbarte Paulskirche gebracht werden. „Wir wollen ihr vor Ort das Original zeigen“, sagt Protokollchef Karlheinz Voß. Das Gesetzbuch des Heiligen Römischen Reichs von 1356 – das mittlerweile zum Welterbe gehört – bestimmte Frankfurt offiziell zum Wahlort der deutschen Könige. Es bildet zugleich eine geschickte Überleitung zum Besuch des Kaisersaals im Römer.

Die Queen ist da: Roter Teppich und königsblauer Mantel

„Meine Damen und Herren, Ihre Majestät, die Königin des Vereinigten Königreichs betritt den Kaisersaal“, wird ihr Eintreffen dort laut angekündigt werden. „Spätestens dann muss es still sein“, erläutert Voß. Dem Gast soll größtmöglicher Respekt erwiesen werden. Dazu gehören auch ein paar Regeln wie die, ihr die Hand nur zu geben, wenn sie sie selbst darreicht. „Ob ihr die Damen in der ehemals freien Reichsstadt alle einen Hofknicks entgegenbringen, glaube ich eher nicht“, sagt Voß. Einige Anwesende beherrschen das formvollendete Einknicken der Knie aber ganz sicher, denn unter den rund 120 geladenen Gästen werden viele Familienmitglieder des englischen Königshauses sein. „Der deutsche Hochadel, der mit ihr verwandtschaftlich verbunden ist, ist eingeladen“, bestätigt der Protokollchef. Zu den Gästen zählen aber auch Ehrenbürger Friedrich von Metzler und EZB-Chef Mario Draghi.

Nach dem Eintrag ins Goldene Buch bittet der Oberbürgermeister seine königlichen Gäste zum Winken auf den Balkon des Römers. Auf dem Platz davor haben etwa 10.000 Menschen Platz. Am Nachmittag reist die Königin dann nach Berlin zurück, von wo aus sie am Freitag nach Bergen-Belsen zur Besichtigung des Konzentrationslagers weiterfährt. Dort endet dann der dreitägige Deutschland-Besuch.

dpa/pia

Quelle: op-online.de

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