Max Raabe & Palastorchester in der Alten Oper Frankfurt

Schlager machen die Welt um vieles schöner

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Frankfurt - „Mit der Liebe bin ich durch und mach‘ es wie der Lurch“. So leidenschaftslos wie eine Amphibie wirkt Max Rabe dann aber doch nicht. Zudem erscheint der Herr im Smoking mit seinem gescheitelten, dunkelblonden Haar recht elegant. Von Thomas Ungeheuer 

Der 52-Jährige zeigt sich mit einer Lässigkeit, die nur ein Mann von Welt besitzen kann. Die hat er mit seinem Palast Orchester ausgiebig bereist. Gastspiele in Italien, Skandinavien und Israel, in Tokio, Shanghai und Moskau meisterte man ebenso wie einen Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall. In der ausverkauften Alten Oper feiert man nun mit dem Publikum „Eine Nacht in Berlin“. Feiern? Ja, denn schon als Max Raabe zu Beginn „Kleine Lügen“ vorträgt, zaubert er vielen im Saal ein beseeltes Lächeln auf die Lippen. Völlig entspannt steht er am Mikrofon und singt, während die Musiker auf beleuchteten Podesten ins Blech blasen, in die Saiten greifen und auf die Trommelfelle schlagen. Allein in die Gesichter all der Instrumentalisten zu schauen, macht Freude. Man merkt, wie ungemein stolz sie auf ihren vollen, farbenreichen und ungemein frischen Klang sind. Ihr Zusammenspiel ist von grandioser Sicherheit. Vor allem aber dürfte sie die gelungene Auswahl an Musikstücken beflügeln. Mit großem Respekt erwähnt Max Raabe die Namen von Komponisten und Textern wie Will Meisel, Fritz Rotter, Otto Stransky, Erich Plessow, Bruno Balz, Robert Stolz oder Walter Reisch. Meist stammen von ihnen Lieder, die erstmals Anfang der 1930er zu hören waren.

Was Max Raabe & Palast Orchester aus ihnen machen, ist bisweilen höchst erstaunlich. So erklingt Franz Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ als Tango, ganz so, als wäre es nie ein Operettenstück gewesen. Und wenn sich Max Raabe mit drei Musikern zum A-cappella-Quartett formiert, um Friedrich Hollaenders „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ vorzutragen, dann schraubt sich Raabes Stimme mit größter Leichtigkeit in fast schwindelerregende Höhen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Das hat wirklich gewinnenden Charme. Zwischendrin macht Herr Raabe wiederkehrend Bemerkungen, die von wunderbar trockener Ironie beseelt sind. So amüsant das ist, verweisen seine Scherze lediglich auf den mitunter skurrilen Humor von Liedern wie „In der Bar zum Krokodil“, „Mein Gorilla hat ’ne Villa im Zoo“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“. Damals waren Texte von Schlagern und Couplets geistreicher und origineller. Und dass dieser Geist so lebendig erscheint, ist das größte Verdienst von Max Raabe & Palast Orchester - einer Institution mit der die Welt um vieles schöner erscheint.

Quelle: op-online.de

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