Rackern für den guten Zweck

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Hier sind echte Männer gefragt: Kevin (links) und Erik von der spanischen Gemeinde haben einen festen Stand eingenommen und präparieren mit Hilfe der Hacken den Erdboden für den Barfußpfad.

Offenbach - Reinigungskräfte säubern in den Nachmittagsstunden Pausenhof und Klassenzimmer während die Kinder im Sandkasten um die schönste Burg wetteifern. Bis dahin ein ganz normaler Alltag in der Humboldtschule. Ein paar Meter weiter, hinter dem eigens aufgestellten Pavillon, ist es mit der Idylle vorbei. Von Jörn Polzin

Hier wird geklotzt und Schweiß vergossen. Etwa ein Dutzend Jugendliche sind im Einsatz und verwandeln die Grünfläche in eine Kleinbaustelle. Und das bereits seit den frühen Morgenstunden. Die bundesweite 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist auch auf dem Areal der Grundschule im vollen Gange.

„Wir haben um neun Uhr mit der Aktion begonnen und zunächst die benötigten Materialien herangeschafft“, erklärt Berta Lopez von der spanischen Gemeinde, die gemeinsam mit St. Pankratius (Bürgel) an der Aktion teilnimmt. Erst am Donnerstagabend, genau genommen um 17.07 Uhr, wurde das Geheimnis um die Projektverteilung gelüftet. Die erste Reaktion fiel positiv aus. „Etwas für eine Schule tun zu können ist immer schön. Wir waren am selben Abend noch vor Ort und die Jugendlichen haben gleich einen Plan ausgetüftelt“, erzählt Lopez.

Die Aktion, für die der hessische Grünen-Chef und Offenbacher Tarek Al-Wazir Pate steht und die bundesweit mit spektakulären Show-Einlagen eingeläutet wurde, fordert den Teilnehmern einiges ab. „Auf eine genaue Aufgabenverteilung haben wir aber verzichtet, hier muss jeder Hand anlegen“, sagt David Simrock von St. Pankratius. Für die 72 Stunden - am Sonntag um 17.07 Uhr endet die Aktion - haben sich die beiden Gruppen einiges vorgenommen.

Vollen Körpereinsatz zeigt auch Uwe (19) von St. Pankratius und stemmt sich gegen eine Steinfelsplatte, die er zuvor aus dem Boden „befreit“ hatte. Da muss auch ein stämmiger Bursche mal durchpusten.

Geplant sind ein Barfußpfad, eine Kräuterspirale und ein „grünes Klassenzimmer“. Am Freitagnachmittag waren die Teilnehmer noch damit beschäftigt, den Weg für den Barfußpfad zu ebnen. Dazu wurden mit Schaufeln und Hacken der Erdboden weich geklopft, die Betonplatten herausgehoben und Kies eingefüllt. „Wir wollen den Barfußpfad nach Möglichkeit noch heute fertig bekommen“, sagt Simrock. Einen Wettlauf mit der Zeit erwartet er trotz des aufwändigen Prozederes nicht. „Bis 22 Uhr werden wir heute noch schaffen und morgen früh gleich weitermachen, dann sollte es schon klappen“, sagt der 19-Jährige optimistisch.

Auch Erik (13) von der spanischen Gemeinde ist mit vollem Eifer bei der Sache. „Die Arbeit ist schon anstrengend, aber das gehört eben dazu“, meint er.

Die Schulleitung freut sich in jedem Fall über das Engagement der Jugendlichen und die Umgestaltung der Grünfläche. „Es war ohnehin angedacht, dass auf dem Gelände etwas Neues entstehen soll. Jetzt sind wir mal gespannt, wie es hier am Sonntag aussehen wird“, sagt Schulleiterin Hafize Celik. Dass die Schule damit Kosten einspart sei nur ein netter Nebeneffekt. „Vor allem ist es ein lobenswertes Projekt, das einen sozialen Zweck erfüllt“, betont Celik. Als die Schulleiterin von der Aktion erfuhr, habe sie nicht lange gezögert und die Anmeldung eingereicht.

Bei allen Lobeshymnen für den karitativen Charakter des Projektes fallen freilich auch erhebliche Kosten an. Um die Finanzierung zu schultern, sind die Gemeinden auf Spenden angewiesen. „Wir haben im Vorfeld bereits den Kontakt zu sämtlichen Firmen und potenziellen Sponsoren aufgenommen“, erklärt Dekanatsjugendreferent Steffen Basta. Alleine für die Außenarbeiten an der Humboldtschule rechnet er mit einer Summe von etwa 1 500 Euro. Die Teilnehmer stehen daher im ständigen Kontakt mit den Bauunternehmen, ohne deren Hilfe die Umsetzung kaum machbar wäre. „Wir rufen immer vorher an und fragen, ob die Materialien verfügbar sind und die Firmen uns entgegenkommen können“, sagt Manuel von St. Pankratius. Sein Zwischenfazit. „Die Aktion macht richtig Spaß und könnte ruhig öfter stattfinden.“

Quelle: op-online.de

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