Rad-Autobahn schon in fünf Jahren

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Sie tüfteln am Rad-Schnellweg: Professor Follmann und die Master-Studenten Konrad (links) und Marquard.

Offenbach - Die Sache ist offensichtlich heiß. So heiß, dass die Lippen des Sprechers beim Regionalverband Frankfurt verschlossen bleiben. „Keine Stellungnahme." Von Michael Eschenauer

Frank Tekkiliç verweist, obwohl der Verband federführend in der Angelegenheit ist, auf eine in Kürze stattfindende Pressekonferenz. Es geht um ein spannendes Thema: Zwischen Darmstadt und Frankfurt soll die erste Fahrrad-Autobahn Hessens gebaut werden. Der Begriff sei allerdings irreführend, merkt Professor Dr. Ing. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt an. Es gehe ja in erster Linie darum, Autoverkehr zu vermeiden. Deshalb sei der Name „Fahrrad-Schnellweg“ besser, so der bekannte Verkehrsplaner.

Darmstadt – Langen – Dreieich – Neu-Isenburg – Frankfurt. „In fünf Jahren könnten hier die ersten Radfahrer rollen. In zehn Jahren könnten wir den Vollausbau erreichen“, sagt Follmann. Zwei seiner Studenten legen jetzt im Zuge ihrer Masterarbeiten eine Studie zu der neuen Verkehrsverbindung vor. Auch der Regionalverband sowie die beteiligten Städte sind mit im Boot. Sie haben eine Arbeitsgruppe gebildet und werden eine Machbarkeitsstudie zu dem revolutionären Projekt in Auftrag geben. Die Resonanz ist in allen Kommunen an der Trasse positiv. Auch vom neuen grünen Verkehrsminister Hessens, Tarek Al-Wazir, erhofft man sich Rückenwind.

Die Region läge mit einem Rad-Schnellweg ganz weit vorne. In Deutschland gibt es nach Auskunft des Pressesprechers des ADFC-Nordrhein-Westfalen, Thomas Rommelspacher, bisher lediglich einige mehr oder weniger weit gediehene Pläne. In den Niederlanden, Belgien Dänemark und England dagegen ist die Fahrrad-Autobahn bereits Wirklichkeit.

Kosten von bis zu 12,5 Millionen Euro

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Über eine Distanz von je nach Verlauf etwa 25 Kilometern soll die Radlertrasse im Frankfurter Umland auf zum Teil neu zu bauenden, zum Teil bereits bestehenden Straßen, auf Wald- oder Wirtschaftswegen angelegt werden. Die Kosten liegen bei 200.000 bis 500.000 Euro pro Kilometer, wodurch die Gesamtaufwendungen fünf bis 12,5 Millionen Euro erreichen. Dies sind Summn, die den Verkehrsplaner Follmann nicht abschrecken. „Auto- und öffentlicher Nahverkehr sind bei uns an den Kapazitätsgrenzen angelangt. Der einzige Trumpf, den wir noch in der Hand haben, ist der Ausbau des Radverkehrs. Da muss man eben Geld in die Hand nehmen.“ Der Ausbau werde stufenweise erfolgen.

„Direkt, durchgehend asphaltiert, möglichst freie Durchfahrt gewährend und drei bis vier Meter breit“ – dies, so Philipp Konrad, einer der Studienautoren, seien die Grundcharakteristika des Schnellwegs, der die einwohnerstarken Städte mit tausenden Arbeitsplätzen untereinander, aber auch die beiden Großstädte Darmstadt und Frankfurt an den Endpunkten verbinden soll. Die Geschwindigkeit, mit der die Berufspendler unterwegs sein werden, soll zwischen 20 und 25 Stundenkilometern liegen. Als Fahrzeuge kommen nicht nur Fahrräder, sondern auch Velos mit elektrischem Hilfsmotor (Pedelecs) und vollelektrisch betriebene Räder in Frage. Die Zielgruppe seien weniger Freizeitradler als Berufspendler beziehungsweise jene Alltagsradler, die das Zweirad als Auto-oder Bahnersatz nutzen. „Der Weg muss so sauber sein, dass die Leute keine Angst haben müssen, mit schlammverspritzen Hosenbeinen am Arbeitsplatz einzukommen“, sagt Follmann. Natürlich müsse die Trasse beleuchtet sein und ein Winterdienst vorgehalten werden. Dies werfe, so Tobias Marquard als zweiter Nachwuchs-Verkehrsplaner, Fragen der Kostenübernahme auf und schaffe in Waldarealen unter Umständen Interessenskonflikte mit Naturschützern.

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Geprüft haben die beiden Studenten drei Streckenverläufe. Ihre Untersuchung, die mit Unterstützung der beteiligten Städte stattgefunden hat, empfiehlt einen Verlauf, der in Darmstadt-Arheiligen beginnt, in Wixhausen, Erzhausen und Egelsbach der S-Bahntrasse folgt. Vor Langen schwenkt die Trasse nach Osten, passiert das Behördenzentrum, um dann übers Feld Dreieich-Sprendlingen zu erreichen. Dort durchquert sie die Stadt westlich versetzt zur Frankfurter Straße, erreicht den Sportpark am Westrand von Neu-Isenburgund und endet zunächst am Bahnhof Frankfurt-Louisa. Dort spaltet sich der Schnellweg in drei Trassen, die ihn mit verschiedenen Teilen der Frankfurter Innenstadt verbinden. Das Anlegen des Fahrrad-Schnellweges in geschlossenen Ortschaften macht zum Teil erhebliche Umgestaltungen des Straßenraums erforderlich. Die genau Route steht deshalb noch nicht fest. Anbinden wollen die Verkehrsplaner auch den „Jobmotor“ Flughafen, dessen Erreichbarkeit mit dem Fahrrad für Berufspendler derzeit noch recht unbefriedigend sei.

Quelle: op-online.de

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