Radeberger: Hat Vilbel die Nase vorn?

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Derzeit braut Radeberger noch am Sachsenhäuser Berg. Doch Frist für den Konzern mit 40 Marken am Traditionsstandort sind gezählt. Es fehlt an Platz für eine Erweiterung des Firmenareals.

Frankfurt/Bad Vilbel - Wohin zieht Radeberger? Die Aussicht, eine Investition von 100 Millionen Euro für ein neues Brau- und Logistikzentrum an Land zu ziehen, sorgt unter den Kommunen im Rhein-Main-Gebiet für erhebliche Unruhe. Von Michael Eschenauer

Dies war bereits der Fall, lange bevor die Verhandlungen zwischen Radeberger - wo man sich sogar beim neuen Design der Bierkästen als „Bierbrauer in Frankfurt“ titulierte - und der Mainmetropole vollends gescheitert schienen. Auch Hanau und Hattersheim sind beim Werben um den potenten Investor aktiv. Hanau hat ehemalige Militärflächen angeboten, Hattersheim das frühere Sarotti-Gelände. Jetzt scheint allerdings Bad Vilbel die Nase vorne zu haben.

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Im Unterschied zur Binding-Heimatstadt wäre Bad Vilbel sehr gut vorbereitet für eine Ansiedelung von Radeberger. Über 36 Hektar groß ist das in Frage kommende Grundstück im Gewerbegebiet „Quellenhof“, die Bundesstraße 3, die Bad Vilbel mit der A661 verbindet, liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Obwohl es derzeit keine offiziellen Absichtserklärungen von Bad Vilbels Bürgermeister und Liegenschaftsdezernent Thomas Stöhr (CDU) gibt, sollen intensive Verhandlungen zwischen Stadt- und Unternehmensspitze stattfinden. Informationen unserer Zeitung zufolge geht es letztlich nur noch darum, inwieweit sich Bad Vilbel mit seinen Preisvorstellungen für das Grundstück durchsetzen kann. Insgesamt, so heißt es, brüteten die Herren von insgesamt 40 Biermarken über vier möglichen Standorten.

Am Donnerstagabend war die Bombe geplatzt: Radeberger hatte nach monatelangen Verhandungen und Beteuerungen, am Standort Frankfurt festhalten zu wollen, mitgeteilt, man werde die Mainmetropole nun doch verlassen. Grund sind angeblich nicht ausreichend große Angebote an Erweiterungsflächen. Radeberger kann am Traditionsstandort Sachsenhäuser Berg seine Anlagen nicht vergrößern, weil die Wohnbebauung zu dicht an das Firmengelände angrenzt. Die Erweiterung des Brau-, Vertriebs- und Management-Zentrums wurde notwendig, weil insbesondere die Gerstensäfte der Marke Schöfferhofer immer besser „laufen“.

In Frankfurter Medien wies die Radeberger-Führung Gerüchte zurück, man habe in Wirklichkeit immer den Wunsch gehabt, Frankfurt zu verlassen und deshalb gegen Ende der schwierigen Verhandlungen über Bauplätze in Nieder-Eschbach und schließlich Rödelheim einfach den Grundstücksbedarf so weit in die Höhe geschraubt, dass Frankfurt nicht mehr habe mithalten können. Man habe zwar ursprünglich mit 15 Hektar kalkuliert, hieß es, aber schon bald sei klargeworden, dass man über 20 Hektar benötige. Immerhin, so Radeberger, habe man allein für die Vorplanungen bei der „Rödelheim-Lösung“ 500 000 Euro ausgegeben. Man habe wirklich nach einer Lösung gesucht, um mit den 500 Mitarbeitern in Frankfurt bleiben zu können.

Zuletzt hatten sich die Hoffnungen von Frankfurt auf ein ehemaliges US-Militärgelände in Rödelheim gerichtet. Nachdem Nieder-Eschbach als Wunschstandort von Radeberger endgültig an planungs- und naturschutzrechtlichen Gründen gescheitert war, war dieses Areal immer mehr ins Gespräch gekommen. Die Ausweichlösung galt vielen bereits als geglückte Rettungsaktion für den mit ein bis zwei Millionen Euro jährlich wichtigen Gewerbesteuerzahler. Hier stünden 18 Hektar zur Verfügung. Wie es jetzt aber bei Radeberger heiß, passt der Zuschnitt des Grundstücks nicht. Außerdem hätte ein Bach verlegt werden müssen, man hätte zwei Lärmschutzwände bauen müssen, eine Reinigung des Bodens sei notwendig gewesen und schließlich eine Erhöhung des Grundstücks gegen Hochwasser.

Frankfurt ist seit dem Jahre 1870 Sitz der Bierbrauer. Binding war einst eine eigenständige Brauerei. Sie gehört heute zur Radeberger-Gruppe. Radeberger ist Teil des Oetker-Konzerns mit Sitz in Bielefeld. Vor sieben Jahren übernahm Binding auch Henninger in unmittelbarer Nachbarschaft am Sachsenhausener Berg. Seit dem Jahr 1995 existiert sogar eine Stiftung, die das Unternehmen zu seinem 125. Geburtstag installierte. Sie wiederum verleiht einen Kunstpreis und fördert Kulturinitiativen.

Quelle: op-online.de

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