Ein Rätsel hinterlassen

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Der Frankfurter Ehrenbürger Bruno Schubert.

Frankfurt - Wurde beim Tod von Bruno Schubert nachgeholfen? War seine junge Frau beteiligt? Und gibt es überhaupt etwas zu erben? Ein Jahr nach der Exhumierung des einstigen Frankfurter Bierkönigs sind Fragen offen. Von Sabine Ränsch

Bruno Schubert ist seit über zweieinhalb Jahren tot, und noch immer steht die Klärung ganz unterschiedlicher juristischer Fragen aus. Mit dem Tod des Frankfurter Ehrenbürgers, Generalkonsuls von Chile und Wohltäters beschäftigen sich Straf- und Ziviljuristen mehrerer Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshof (BGH). Ermittelt wird gegen die Witwe Schuberts wegen unterlassener Hilfeleistung und Steuerhinterziehung. Vor Gericht gestritten wird um das Erbe des einst hoch angesehenen Mäzens - von seinem Vermögen ist aber wahrscheinlich gar nichts mehr übrig.

Zu Lebzeiten hatte der frühere Henninger-Eigentümer seiner Heimatstadt großzügige Geschenke gemacht, eine Umweltstiftung gegründet und diskret wohl auch Freundinnen reichlich bedacht. Bis kurz vor seinem Tod war der Brauereibesitzer eine der Spitzen der Frankfurter Gesellschaft, hoch angesehen, stets seriös in dunklem Tuch, mit Chauffeur und schwarzer Limousine.

Schubert starb wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag am 17. Oktober 2010. Ein gutes Jahr zuvor hatte er zum zweiten Mal geheiratet - eine über 60 Jahre jüngere Frau, ein ehemaliges Model mit äthiopischen Wurzeln. Seitdem hatten ihn alte Freunde nicht wiedererkannt, sein Ruf in der Stadt verlor an Glanz.

Verdacht auf tödlich wirkende Medikamente

Weggefährten empfing er nicht mehr, öffentlich trat er nicht mehr auf, mit seiner Umweltstiftung legte er sich gerichtlich an. Er versuchte, seine neue Ehefrau und deren Rechtsanwalt in den Stiftungsvorstand wählen zu lassen. Entschieden ist dieser Zwist noch immer nicht. Auch hielt er nicht mehr wie früher in der alten Henninger-Villa in Sachsenhausen Hof, die ihm zwar nicht gehörte, in der er aber lebenslanges Wohnrecht hatte.

Schon kurz nach Schuberts Tod wurde spekuliert, ob der alte Mann in seinen letzten Tagen ausreichend mit Flüssigkeit versorgt wurde. Jetzt steht der Verdacht im Raum, ihm seien tödlich wirkende Medikamente verabreicht worden.

Vor einem Jahr, Anfang Mai 2012, war Schuberts Leiche exhumiert worden. Gerichtsmediziner fanden Spuren von zwei starken Beruhigungs- und Schmerzmitteln. Der Verdacht gegen die Witwe Schuberts, seinen Arzt und seinen Anwalt sei damit weder erhärtet noch ausgeräumt, erklärt die Staatsanwaltschaft. Gegen alle drei wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Es müsse nun in einem Gutachten untersucht werden, ob die entdeckten Medikamente - beide unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz - ärztlich indiziert gewesen seien, sagte eine Behördensprecherin. Danach sei zu klären, wer die Mittel verabreicht habe. Auch die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung sind noch nicht abgeschlossen.

 Im Streit um das Schubert-Erbe hat die Witwe in zwei Instanzen gewonnen. Dort ging es um die Änderung des ursprünglichen Erbvertrages, der die Schubert-Stiftung zur Alleinerbin machte. Nach dem Tod seiner ersten Frau hatte Schubert den Vertrag zugunsten seiner neuen Frau geändert. Sowohl das Landgericht als auch das Oberlandesgericht erklärten die zweite Frau im Streit mit der Schubert-Stiftung zur Alleinerbin.

Mehrere Hunderttausend Euro Anwaltskosten

Die von Schubert gegründete Umweltstiftung ficht die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe an. Nicht, weil sie mit Millionen rechnet, sondern wegen der aufgelaufenen Anwaltskosten. Ihr Anwalt Claus Vester spricht von mehreren Hunderttausend Euro. „Das ist ein ziemlicher Brocken.“ Deshalb müsse die Stiftung das Verfahren weiterführen, auch wenn vom Erbe nichts übrig sein sollte.

Und das steht zu vermuten: Über den Nachlass Schuberts, der 1979 einen dreistelligen Millionen-D-Mark-Betrag für den Verkauf der Henninger-Brauerei kassiert haben soll, wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Inventar der Frankfurter Villa kam unter den Hammer. Insolvenzverwalter Jan Roth sucht immer noch nach Schubert-Geld, das möglicherweise ins Ausland geschafft wurde.

Der bisher einzige nennenswerte Positiv-Posten im Nachlass, ein weitläufiges Anwesen im Berchtesgadener Land - ist inzwischen versteigert worden. Dort empfing Schubert früher honorige Gäste und Freunde wie den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher. Wer der neue Eigentümer ist und wie viel Geld in die Kasse kam, will Roth nicht sagen. „Es wurde Stillschweigen vereinbart.“ Aber vermutlich reicht der Erlös nicht, um die Forderungen von rund 16 Millionen Euro abzudecken, die unter anderem das Finanzamt wegen nicht gezahlter Steuern erhebt. Bis das Verfahren abgeschlossen wird, könnten noch mehrere Jahre vergehen, sagt Jan Roth.

dpa

Quelle: op-online.de

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