Rätselhafte Reiseziele

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Das Dialogmuseum in Frankfurt schickt „Blinde Passagiere“ ins Dunkel

Frankfurt -  Die Hanauer Landstraße ist als vielseitige Kreativmeile bekannt, an der sich exklusive Bürolofts und Autohäuser aneinanderreihen. Mit einem Flughafen-Terminal war dort nicht zu rechnen. Von Julian Fath

Aber genau ein solches wurde nun dort im Dialogmuseum eröffnet: Im Eingangsbereich weisen Gepäckschalter, Metalldetektor und Weltzeituhr den Weg in die Ausstellung „Blinder Passagier - Reise in ein unsichtbares Land“.

Während der Sommerferien (bis 21. August) wird eine Erkundungsreise der besonderen Art angeboten: Die Besucher erleben eine Urlaubsreise aus Sicht eines Blinden. Mit Stöcken ausgerüstet und von einem blinden „Reiseleiter“ begleitet, führt sie ein Parcours durch ein 500 Quadratmeter großes, verdunkeltes Areal.

Auf dem Programm stehen unter anderem ein Stadtbummel und eine Bootsfahrt. Welches Land die „Passagiere“ in der Ausstellung erkunden, wird nicht verraten - das sollen sie durch Fühlen, Riechen, Hören und Schmecken selbst herausfinden, sagt Geschäftsführerin Klara Kletzka. In den Räumen gibt es viel zu entdecken: Tierattrappen, traditionelle Werkzeuge und Musikinstrumente wollen im Dunkeln ertastet und erkannt werden; typische Klänge und Gerüche des Landes begleiten die Gruppe auf ihrem Weg. Am Ende der neunzigminütigen Tour heißt es, das Rätsel des Reiseziels zu entschlüsseln.

Auch als Blinder kann man den Urlaub genießen

Schon zum sechsten Mal wird das Sonderprogramm angeboten. In den letzten Jahren standen Länder wie die Türkei, Mexiko und Indien im Mittelpunkt. Aufwändig sei die Vorbereitung des Sonderprogramms vor allem wegen der Originalgegenstände, die zum Teil vom Zoll oder aus anderen schwer zugänglichen Quellen beschafft werden müssten, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Schäfer. Wie ein Blinder seinen Urlaub verbringt, darüber kann er als Betroffener aus eigener Erfahrung berichten. Seine Ferien verbringe er meist an den selben Reisezielen wie andere Urlauber.

Als Blinder werde er mit dem Vorurteil konfrontiert, er könne den Urlaub an fremden Orten gar nicht genießen, weil er die Sehenswürdigkeiten nicht sehen könne. Aber „auch als Blinder kann man einen Ort erleben, zum Beispiel über die Geräusche und Stimmen“, so Schäfer. So habe jede Stadt ihre ganz eigene Stimmung, die sich mit allen Sinnen wahrnehmen lasse. Auch ein Tag am Strand lasse sich natürlich auch ohne Sehfähigkeit ausgiebig genießen.

Das Sonderprogramm „Blinder Passagier - Reise in ein unsichtbares Land“ ist noch bis 21. August zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11-19 Uhr Weitere Informationen auf der Internetseite vom Dialogmuseum.

Am Frankfurter Mainufer bietet sich momentan eine weitere Möglichkeit, in die Welt der Dunkelheit einzutauchen. Auf der Fanmeile der Frauen-Fußball-WM veranstaltet das Dialogmuseum „Torwandschießen im Dunkeln“. Bis zum 17. Juli kann am Schaumainkai das Schießen eines unsichtbaren Balles erlernt werden - erleichtert durch am Ball befestigte Rasseln und eine fachkundige Anleitung von blinden Fußballern. Wenig bekannt ist, dass es in Deutschland sogar eine Blindenfußballliga gibt.

Bereits seit 2005 bietet das Dialogmuseum seine Führungen im Dunkeln an. Bislang gab es immer wieder Engpässe bei der Finanzierung. Um dies zu verbessern, hat die schwarz-grüne Stadtregierung im Römer nun in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, das Dialogmuseum weiterhin und dauerhaft zu fördern. Am nächsten Dienstag wird die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) einen symbolischen Scheck an die beliebte Einrichtung in der Hanauer Landstraße 145 überreichen.

Quelle: op-online.de

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